Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland in diesem Sommer noch mindestens eine weitere extreme Hitzewelle erlebt, liegt laut Berechnungen bei rund 85 Prozent. Nach einer kurzen, spürbaren Verschnaufpause mit Temperaturstürzen um bis zu zwölf Grad zeichnet sich in den führenden Wettermodellen bereits das nächste massive Hitze-Comeback zum Monatswechsel ab. Meteorologen blicken dabei mit Sorge auf eine Kombination aus einer entstehenden Hitzeglocke über Südwesteuropa und extrem trockenen Böden in der Bundesrepublik.

Was wir bisher wissen
Nach den extremen Hitzetagen Mitte Juli, bei denen im bayerischen Kitzingen ein neuer historischer Temperaturrekord von 40,7 Grad Celsius gemessen wurde, sorgt ein Skandinavien-Tief aktuell für eine vorübergehende Abkühlung. Frische Atlantikluft drückt die Temperaturen im Norden und Osten zeitweise auf mäßig warme 20 bis 24 Grad, während im Südwesten und Süden noch 24 bis 28 Grad erreicht werden. Diese Phase geht gebietsweise mit kräftigen Gewittern, Starkregen und Hagel einher.
Die Ruhe trügt jedoch. Ab der zweiten Wochenhälfte flaut das nasse Intermezzo ab, und pünktlich zum Start der Hundstage am Donnerstag baut sich über Spanien und Frankreich ein massives Hochdruckgebiet auf. Diese Hitzeglocke transportiert subtropische Wüstenluft aus Nordafrika nach Mitteleuropa. Die amerikanischen GFS-Modelle der US-Wetterbehörde NOAA und europäische Berechnungen des ECMWF prognostizieren ab dem 22. Juli einen steilen Temperaturanstieg. Bis zum 28. Juli rücken Höchstwerte von 28 bis 35 Grad in den Fokus, regional sind Spitzenwerte von 39 Grad und beim Monatswechsel sogar das Knacken der 40-Grad-Marke auf den Karten verzeichnet.

Ein wesentlicher Katalysator für die extreme Hitzeentwicklung ist der Zustand der Böden in Deutschland. Da es in den vergangenen acht Monaten insgesamt deutlich zu wenig Niederschlag gab, sind die tieferen Bodenschichten knochentrocken. Fehlt die Bodenfeuchte, kann keine Verdunstungskälte entstehen, wodurch sich die Luft ungebremst wie auf einer Herdplatte aufheizt. Der Sommer 2026 verzeichnet im Westen und Süden bereits über 30 heiße Tage und befindet sich damit auf klarem Rekordkurs.
Die Reaktionen der Experten
Wetterexperten betonen die Dynamik der aktuellen Wetterlage, sehen aber einen klaren Trend zu erneuten Heißluftvorstößen. Der Meteorologe Dominik Jung dämpft die Erwartungen an ein baldiges Sommerende:
Wahrscheinlicher ist ein Wechselspiel aus warmen bis heißen Phasen und Zwischenabkühlungen, kein durchgehender Hitzemonat wie 2018 oder 2022.
Gleichzeitig verweisen Fachleute auf die weitreichenden hydrogeologischen Folgen des ausbleibenden Regens. Andreas Marx, Leiter des Dürremonitors am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, ordnet die anhaltende Trockenheit im Deutschlandfunk ein:
Die Grundwasserstände sind derzeit fast überall in Deutschland deutlich unter dem durchschnittlichen Niveau.
Der Dürremonitor macht deutlich, dass die aktuelle Situation nicht primär ein kurzfristiger Effekt der Juni-Hitze ist, sondern das Resultat einer monatelangen Niederschlagsarmut, die sich so schnell nicht ausgleichen wird.
Was es für die Menschen in Deutschland bedeutet
Für die Menschen in Deutschland bedeutet der bevorstehende Wetterwechsel, dass die aktuellen kühleren Tage und Nächte dringend zum Durchlüften von Wohnräumen genutzt werden sollten. Mit dem Start der Hundstage drohen wieder drückende Hitze, schwüle Luft und tropische Nächte, die insbesondere den Organismus belasten. Zudem verschärft sich die Situation an den deutschen Wasserstraßen: Die Pegelstände bedeutender Flüsse wie Rhein und Donau sind bereits im Juli stark zurückgegangen. Verbraucher müssen sich zudem mittelbar auf wirtschaftliche Folgen einstellen, da Experten infolge von Klimawandel, anhaltender Hitze und globalen Konflikten mit steigenden Lebensmittelpreisen rechnen.
Das kommt auf uns zu
Bis zum kommenden Wochenende bleibt das Wetter zweigeteilt. Während sich im Westen und Süden bereits wieder sonniges und trockenes Wetter durchsetzt, dominieren im Norden und Osten zunächst noch Wolkenfelder und Schauer. Am Samstag klettern die Temperaturen im Südwesten bereits auf bis zu 35 Grad, ehe ein schneller Störimpuls am Sonntag die Werte kurzzeitig noch einmal dämpft. Der eigentliche, großflächige Hitzeanlauf über das gesamte Bundesgebiet wird laut den übereinstimmenden Kontrollläufen der Wettermodelle ab der letzten Juli-Dekade und zum Start in den August erwartet.
Auf einen Blick
- Die Wahrscheinlichkeit für eine weitere extreme Hitzewelle im Sommer 2026 liegt bei rund 85 Prozent.
- Ein Skandinavien-Tief sorgt aktuell für eine kurze Verschnaufpause mit Abkühlungen um bis zu zwölf Grad.
- Am Donnerstag, den 23. Juli, beginnen die Hundstage, die statistisch als heißeste Phase des Jahres gelten.
- Meteorologische Modelle prognostizieren zum Monatswechsel Temperaturen von 28 bis 35 Grad, lokal bis zu 40 Grad.
- Die Grundwasserstände in Deutschland sind nach acht Monaten mit zu wenig Niederschlag fast überall kritisch niedrig.
Häufig gestellte Fragen
Wann beginnt die nächste Hitzewelle in Deutschland?
Nach einer kurzen Abkühlung in der laufenden Woche deutet der Wettertrend ab dem 23. Juli auf einen kontinuierlichen Temperaturanstieg hin. Die Hauptphase der neuen Hitzewelle mit Werten über 30 Grad wird um den Monatswechsel Ende Juli und Anfang August erwartet.
Was sind die Hundstage und wann finden sie statt?
Als Hundstage wird traditionell die heißeste Phase des Sommers im Zeitraum vom 23. Juli bis zum 23. August bezeichnet. Der Name leitet sich historisch vom Erscheinen des Sirius – dem Hundsstern – am morgendlichen Himmel ab und steht statistisch für die wärmsten Wochen des Jahres.
Wie heiß wird es Ende Juli 2026 in Deutschland?
Die Prognosemodelle berechnen für die letzte Juli-Woche flächendeckend Temperaturen zwischen 28 und 35 Grad. In besonders betroffenen Regionen im Westen und Südwesten stehen laut US-Wetterbehörde NOAA sogar Spitzenwerte von bis zu 39 oder 40 Grad im Raum.
Warum steigen die Temperaturen bei Dürre besonders stark an?
Da die Böden in Deutschland nach monatelanger Trockenheit kaum Restfeuchtigkeit besitzen, fällt die kühlende Wirkung durch Verdunstung weg. Die eintreffende Sonnenstrahlung wird stattdessen fast vollständig in fühlbare Wärme umgewandelt, was Extremtemperaturen begünstigt.
Resources
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