ING setzt auf Stammkunden statt neuer Zinsjäger
Die Direktbank ING will sich in Deutschland künftig stärker auf langfristige Kundenbeziehungen konzentrieren statt auf kurzfristige Tagesgeld-Angebote mit hohen Lockzinsen. Vorstandschef Lars Stoy macht damit klar: Der Wettbewerb um reine Zinskunden soll nicht um jeden Preis geführt werden.
Für viele Sparer kommt das in einer Phase, in der Banken wieder um Einlagen kämpfen. Doch die ING setzt offenbar darauf, dass Service, digitale Angebote und bestehende Kundenbindung wichtiger werden als kurzfristige Zinssprünge.
Die ganze Geschichte
Über Monate hinweg hatten viele Banken mit auffällig hohen Tagesgeldzinsen um neue Kunden geworben. Besonders Neukunden konnten zeitweise deutlich bessere Konditionen erhalten als langjährige Bestandskunden. Genau gegen dieses Modell positioniert sich die ING jetzt öffentlich.
Vorstandschef Lars Stoy erklärte, dass man keinen Wettlauf um jeden einzelnen Zinskunden führen wolle. Stattdessen solle das Geschäft stärker auf Menschen ausgerichtet werden, die die Bank dauerhaft nutzen — also nicht nur für ein kurzfristiges Tagesgeldkonto. Das ist eine bemerkenswerte Ansage in einem Markt, der zuletzt fast schon wie ein Basar wirkte: Heute hier 3,5 Prozent, morgen dort 3,8 Prozent.
Da beißt die Maus keinen Faden ab: Viele Banken stehen inzwischen unter Druck. Die Europäische Zentralbank hatte die Zinsen in den vergangenen Jahren kräftig angehoben. Dadurch stiegen zwar die Einnahmen vieler Institute, gleichzeitig wurden Kunden aber sensibler bei Sparzinsen. Vergleichsportale sorgten zusätzlich dafür, dass Geld schnell zwischen Banken verschoben wird.

Interessant ist dabei vor allem der Zeitpunkt. Während einige Konkurrenten weiter mit zeitlich begrenzten Angeboten werben, signalisiert die ING eher Stabilität. Für Kunden bedeutet das vermutlich: weniger spektakuläre Sonderaktionen, dafür aber planbarere Konditionen.
Zentrale Akteure
Im Mittelpunkt steht ING-Deutschlandchef Lars Stoy. Er verantwortet die Strategie der größten Direktbank Deutschlands, die Millionen Kunden betreut und besonders im Onlinebanking stark vertreten ist.
Die ING gehört seit Jahren zu den wichtigsten Direktbanken im deutschen Markt. Gerade jüngere und digital affine Kunden nutzen die Bank für Girokonten, Wertpapierdepots und Tagesgeld. Der aktuelle Kurswechsel zeigt deshalb auch, wie stark sich der Wettbewerb verändert hat.
Auf der anderen Seite stehen sogenannte „Zinshopper“. Gemeint sind Kunden, die ihr Geld immer dorthin verschieben, wo kurzfristig die höchsten Zinsen gezahlt werden. Banken profitieren von solchen Kunden oft nur begrenzt, weil langfristige Bindung fehlt.
Wir wollen keinen Wettbewerb um jeden Zinskunden führen.
Die Zahlen dahinter
In den vergangenen zwei Jahren haben viele Banken ihre Tagesgeldzinsen zeitweise deutlich angehoben. Teilweise lagen Angebote für Neukunden bei mehr als 3 Prozent. Gleichzeitig fielen die Konditionen für Bestandskunden oft niedriger aus.
Für Banken ist das teuer. Hohe Einlagenzinsen belasten die Margen — vor allem dann, wenn Kunden ihr Geld nach wenigen Monaten wieder abziehen. Genau deshalb versuchen einige Institute inzwischen, profitablere und stabilere Kundenbeziehungen aufzubauen.
Auch in Deutschland beobachten Finanzexperten seit Monaten eine stärkere Wechselbereitschaft bei Sparern. Vergleichsportale und mobile Banking-Apps machen den Kontowechsel heute deutlich einfacher als noch vor wenigen Jahren.
Warum das jetzt wichtig wird
Für Verbraucher in Deutschland könnte dieser Kurswechsel Folgen haben. Wer regelmäßig zwischen Banken wechselt, um den höchsten Tagesgeldzins mitzunehmen, dürfte künftig weniger aggressive Angebote sehen — zumindest von großen etablierten Direktbanken.

Gleichzeitig zeigt sich ein größerer Trend im deutschen Finanzmarkt: Banken wollen Kunden wieder umfassender binden — über Girokonten, Depots, Kredite und Apps. Reine Tagesgeldangebote reichen offenbar nicht mehr aus.
Unterm Strich geht es also um Vertrauen und Planbarkeit. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten achten viele Menschen stärker darauf, wie verlässlich ihre Bank tatsächlich ist.
Was jetzt zu erwarten ist
Branchenbeobachter rechnen damit, dass andere Banken ihre Strategien ebenfalls überprüfen könnten. Sollte der Wettbewerb um Tagesgeld weiter an Dynamik verlieren, dürften klassische Kundenprogramme und digitale Zusatzangebote wichtiger werden.
Für Sparer bleibt der Markt dennoch spannend. Solange die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank nicht vollständig stabil ist, könnten Banken weiterhin flexibel auf neue Entwicklungen reagieren.
Wer Tagesgeld nutzt, sollte deshalb nicht nur auf den kurzfristigen Spitzenzins achten, sondern auch auf Bedingungen, Laufzeiten und mögliche Unterschiede zwischen Neu- und Bestandskunden.
Häufige Fragen
Warum verzichtet die ING auf aggressive Tagesgeld-Angebote?
Die Bank möchte langfristige Kundenbeziehungen stärken statt kurzfristig wechselnde Zinskunden anzulocken.
Was bedeutet das für bestehende Kunden?
Bestandskunden könnten künftig stärker im Mittelpunkt stehen und weniger Unterschiede zu Neukunden erleben.
Sind Tagesgeldzinsen jetzt generell niedriger?
Nicht unbedingt. Andere Banken werben weiterhin mit hohen Zinssätzen, allerdings oft nur zeitlich begrenzt.
Warum wechseln viele Menschen derzeit ihre Bank?
Steigende Zinsen und Vergleichsportale machen es einfacher, bessere Angebote zu finden und Geld flexibel umzuschichten.
Worauf sollten Sparer jetzt achten?
Neben dem Zinssatz spielen auch Einlagensicherung, Servicequalität und langfristige Konditionen eine wichtige Rolle.
Ressourcen
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