Großbritanniens Streitkräfte heute: 15 Milliarden Pfund mehr
15 Milliarden Pfund zusätzlich will Großbritannien in seine Verteidigung stecken. Der neue Investitionsplan sieht für die kommenden vier Jahre insgesamt 298 Milliarden Pfund vor und soll die Streitkräfte tiefgreifend verändern: weniger Abhängigkeit von großen bemannten Plattformen, mehr Drohnen, autonome Systeme und künstliche Intelligenz. Zugleich bleibt offen, ob das Geld ausreicht, um alle angekündigten Vorhaben tatsächlich umzusetzen.

Das Wichtigste auf einen Blick
- Großbritannien erhöht seine Verteidigungsinvestitionen um 15 Milliarden Pfund.
- Bis 2029 sollen die jährlichen Verteidigungsausgaben von 54 auf 80 Milliarden Pfund steigen.
- Mehr als fünf Milliarden Pfund sind für Drohnen und autonome Waffensysteme vorgesehen.
- Die britische Marine soll zu einer hybriden Flotte aus bemannten Schiffen und unbemannten Plattformen umgebaut werden.
- Kritiker warnen vor Finanzierungslücken und bezweifeln, dass die geplanten Mittel für die angekündigte Transformation reichen.
So ist der Plan aufgebaut
Der Verteidigungsinvestitionsplan wurde am 30. Juni 2026 nach monatelangen Auseinandersetzungen über seine Finanzierung vorgestellt. Premierminister Keir Starmer kündigte an, dass die jährlichen Verteidigungsausgaben bis 2029 auf 80 Milliarden Pfund steigen sollen. Eine Zusammenfassung der britischen Haushaltspläne nennt für die kommenden vier Jahre insgesamt 298 Milliarden Pfund.
Ein Schwerpunkt liegt auf unbemannten Systemen. Mehr als fünf Milliarden Pfund sollen in Drohnen und autonome Waffen fließen. Besonders weitreichend sind die Pläne für die Marine: Unbemannte Überwasser- und Unterwasserfahrzeuge sollen gemeinsam mit bemannten Schiffen operieren. Vorgesehen sind mehrere neue Typen von Marinedrohnen sowie sechs bemannte Schiffe, die als Führungs- und Netzwerkknoten dienen sollen.

Auch das Heer soll stärker digitalisiert werden. Für das Vorhaben ASGARD sind 370 Millionen Pfund vorgesehen. Das System verbindet Sensoren mit Langstreckenwaffen und soll nach Angaben aus dem britischen Generalstab die Zahl der täglich erfassbaren Ziele auf Korpsebene von 24 auf 240 erhöhen können. Weitere 50 Millionen Pfund fließen in RAPSTONE, ein Programm für schnelle Beschaffung, Drohnen, Software und unbemannte Bodenfahrzeuge.
Hinter dem Umbau stehen jedoch harte Haushaltsfragen. Nach den vorliegenden Berichten sollen Projekte in Bereichen wie Infrastruktur und Energie gestrichen werden, um zusätzliche Verteidigungsausgaben zu finanzieren. Fachleute kritisieren außerdem, dass ein großer Teil der geplanten Fähigkeiten erst entwickelt werden muss und erhebliche Ausgaben in die Jahre nach 2030 verschoben werden.
- Hybride Marine
- Eine Flotte, in der bemannte Kriegsschiffe mit unbemannten Fahrzeugen über, auf und unter Wasser zusammenarbeiten.
- Autonome Waffensysteme
- Systeme, die bestimmte Aufgaben mit begrenzter oder ohne direkte menschliche Steuerung ausführen können.
- ASGARD
- Ein britisches Heeresvorhaben, das Sensoren und Waffen enger vernetzen und die Zielerfassung beschleunigen soll.
Warum der Umbau Bedeutung hat
Großbritannien reagiert nach Angaben der vorliegenden Berichte auf wachsende Bedrohungen, besonders durch Russland, und auf geringere Unterstützung durch die USA. Für die europäischen Verbündeten ist deshalb nicht nur die Höhe des Etats entscheidend, sondern auch die Frage, welche Fähigkeiten tatsächlich einsatzbereit werden. Nato-Generalsekretär Mark Rutte begrüßte die Ankündigung als Schritt in Richtung höherer Verteidigungsausgaben.

Für Deutschland ist der Plan vor allem wegen der europäischen Zusammenarbeit relevant. Die britische Marine will mit Norwegen eine gemeinsame Flotte von insgesamt 13 Fregatten des Typs 26 betreiben und mit den Niederlanden bei amphibischen Kräften enger zusammenarbeiten. Gleichzeitig zeigt die Planung für die britische Marine, wie stark europäische Streitkräfte künftig auf gemeinsame Beschaffung und vernetzte unbemannte Systeme setzen könnten.
Der größte Unsicherheitsfaktor ist die Finanzierung. Für die hybride Marine werden große Teile der Produktionsausgaben erst zwischen 2030 und 2035 erwartet. Damit entscheidet nicht allein die jetzige Regierung über die Umsetzung, sondern auch künftige politische Mehrheiten und Haushalte.
Wie es weitergeht
Bis 2029 sollen die jährlichen britischen Verteidigungsausgaben auf 80 Milliarden Pfund steigen. Für neue Kommando-Boote sind Prototypen bis 2028 vorgesehen, danach sollen Erprobung und Serienproduktion folgen.
Die umfassendere Produktion der geplanten hybriden Marine ist für den Zeitraum von 2030 bis 2035 vorgesehen. Ob sämtliche angekündigten Drohnen, Schiffe und autonomen Systeme gebaut werden, hängt damit unmittelbar von weiteren Finanzierungsentscheidungen nach 2029 ab.
Häufige Fragen
Wie viel mehr gibt Großbritannien für seine Streitkräfte aus?
Die Regierung hat zusätzliche Investitionen von 15 Milliarden Pfund angekündigt. Für die kommenden vier Jahre nennt der Plan insgesamt 298 Milliarden Pfund für die Verteidigung.
Wie hoch soll der britische Verteidigungsetat 2029 sein?
Die jährlichen Ausgaben sollen bis 2029 auf 80 Milliarden Pfund steigen. Bei Amtsantritt der Labour-Partei 2024 lagen sie laut den vorliegenden Quellen bei 54 Milliarden Pfund.
Wofür werden die zusätzlichen Milliarden ausgegeben?
Mehr als fünf Milliarden Pfund sind für Drohnen und autonome Waffensysteme vorgesehen. Weitere Mittel fließen unter anderem in vernetzte Heeressysteme, Munition, Marineprojekte und die nukleare Abschreckung.
Was bedeutet die hybride Marine Großbritanniens?
Die britische Marine will bemannte Schiffe mit autonomen Fahrzeugen verbinden. Diese Systeme sollen Aufgaben wie Überwachung, Aufklärung, Zielerfassung und Einsätze unter Wasser übernehmen.
Warum gibt es Kritik an dem Verteidigungsplan?
Kritiker halten die vorgesehenen Mittel für zu knapp und verweisen auf hohe Entwicklungskosten neuer Technologien. Zudem werden große Teile der notwendigen Ausgaben in die Jahre nach 2030 verschoben.
Ressourcen
Quellen und Referenzen in diesem Artikel.
