Großfahndung auf St. Pauli: Neuer Hinweis bringt Ex-RAF-Mitglied Ernst-Volker Staub wieder ins Zentrum der Ermittlungen
Last updated: 28. Mai 2026, 17:30 Uhr
Für viele Menschen in Deutschland klingt der Name RAF wie ein Kapitel aus alten Geschichtsbüchern. Doch plötzlich ist das Thema wieder mitten im Alltag angekommen: mitten in Hamburg, zwischen Passanten, Polizeihubschraubern und Straßensperren. Ein Hinweis aus der Bevölkerung hat am Donnerstag eine groß angelegte Fahndung nach dem früheren RAF-Mitglied Ernst-Volker Staub ausgelöst.
Die Polizei rückte mit starken Kräften rund um St. Pauli und Altona aus. Zeitweise wurden Straßen kontrolliert, Hubschrauber kreisten über der Stadt. Eine Festnahme gab es zunächst nicht. Trotzdem zeigt der Einsatz, wie ernst die Behörden die Hinweise weiterhin nehmen.

Die Vorgeschichte hinter dem Einsatz
Ernst-Volker Staub zählt zu den bekanntesten untergetauchten ehemaligen Mitgliedern der sogenannten dritten RAF-Generation. Die „Rote Armee Fraktion“ war über Jahrzehnte für Anschläge, Entführungen und Morde in Deutschland verantwortlich. Auch wenn sich die RAF bereits 1998 offiziell auflöste, beschäftigen einige ungelöste Fälle die Ermittler bis heute.
Staub wird seit Jahren gesucht. Zusammen mit Burkhard Garweg und Daniela Klette galt er lange als Teil eines Trios, das nach Einschätzung der Behörden nach dem Ende der RAF durch Raubüberfälle Geld beschafft haben soll. Besonders nach der Festnahme von Daniela Klette Anfang 2024 rückten die verbliebenen Gesuchten erneut in den Fokus.
Viele Hamburger dürften sich gefragt haben, warum ein einzelner Hinweis sofort einen Großeinsatz auslöst. Genau darin liegt der Punkt: Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass Staub weiterhin unter falscher Identität lebt und sich innerhalb Deutschlands bewegen könnte. „Lieber einmal zu viel als einmal zu spät“ – dieser Satz fällt in Sicherheitskreisen derzeit häufiger.
So lief die Fahndung in Hamburg ab
Auslöser war laut Ermittlern ein Hinweis aus der Bevölkerung. Ein Mann soll dem gesuchten Ex-RAF-Mitglied ähnlich gesehen haben. Daraufhin rückten Polizeikräfte in mehreren Hamburger Stadtteilen an, insbesondere rund um St. Pauli.
Passanten wurden kontrolliert, Straßenzüge abgesucht. Zeitweise war auch ein Hubschrauber im Einsatz. Wer am Nachmittag unterwegs war, bekam die erhöhte Polizeipräsenz deutlich mit. Besonders rund um touristische Bereiche sorgte das für Aufmerksamkeit.
Interessant ist dabei vor allem die Geschwindigkeit der Reaktion. Innerhalb kurzer Zeit wurden Einsatzkräfte gebündelt und Suchmaßnahmen koordiniert. Das zeigt, dass Hinweise zu ehemaligen RAF-Mitgliedern intern weiterhin hohe Priorität besitzen.

Eine Festnahme blieb allerdings aus. Die Polizei beendete den Einsatz später ohne konkreten Zugriff. Dennoch laufen die Ermittlungen weiter. Wer Hinweise geben könne, solle sich an die Behörden wenden. Über aktuelle Fahndungsinformationen informieren sich inzwischen auch viele Menschen online.
Was dabei auffällt: Der Fall bewegt nicht nur ältere Generationen. Gerade jüngere Menschen stoßen derzeit erstmals intensiv auf die Geschichte der RAF. In sozialen Netzwerken wird diskutiert, warum ehemalige Mitglieder auch Jahrzehnte später noch gesucht werden.
Reaktionen aus Politik und Öffentlichkeit
In Hamburg sorgte der Einsatz schnell für Gesprächsstoff. Viele Passanten berichteten von einem ungewöhnlich starken Polizeiaufgebot. Einige zeigten Verständnis, andere wunderten sich über die massive Reaktion auf einen einzelnen Hinweis.
„Wir gehen jedem ernstzunehmenden Hinweis konsequent nach.“
Sicherheitsbehörden verweisen darauf, dass die RAF trotz ihrer Auflösung weiterhin symbolische Bedeutung besitzt. Für viele Angehörige früherer Opfer ist die Geschichte nicht abgeschlossen. Genau deshalb bleibt der Druck auf die Ermittler hoch.
Und dann ist da noch die politische Dimension. Deutschland diskutiert seit Jahren darüber, wie mit ehemaligen Extremisten umzugehen ist, die jahrzehntelang untertauchen konnten. Der aktuelle Einsatz zeigt erneut, wie präsent diese Fragen geblieben sind.
Warum der Fall weit über Hamburg hinaus Bedeutung hat
Die Fahndung betrifft nicht nur eine einzelne Person. Sie berührt auch das kollektive Gedächtnis Deutschlands. Die RAF prägte über Jahrzehnte die Sicherheitsarchitektur des Landes. Viele Anti-Terror-Maßnahmen, die heute selbstverständlich wirken, entstanden als direkte Reaktion auf diese Zeit.
Für Menschen in Deutschland ist deshalb nicht nur entscheidend, ob Staub tatsächlich in Hamburg war. Viel wichtiger ist die Erkenntnis, dass ehemalige RAF-Mitglieder offenbar noch immer unentdeckt leben konnten. Das wirft Fragen nach Unterstützernetzwerken, falschen Identitäten und Sicherheitslücken auf.
Dazu kommt: Seit der Festnahme von Daniela Klette beobachten Ermittler verstärkt Bewegungen und mögliche Kontakte im Umfeld der früheren RAF-Mitglieder. „Die Vergangenheit holt Deutschland wieder ein“, formulieren es manche Kommentatoren derzeit.
Wenn Sie die Entwicklungen verfolgen, dürfte Ihnen auffallen, wie stark solche Fälle emotional aufgeladen bleiben – selbst fast drei Jahrzehnte nach dem offiziellen Ende der RAF.
Wie es jetzt weitergeht
Die Ermittlungen laufen weiter. Die Behörden prüfen derzeit den Hinweis aus Hamburg sowie mögliches Bild- und Videomaterial aus dem Umfeld der Fahndung.
Weitere Suchmaßnahmen sind nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig bitten die Ermittler die Bevölkerung weiterhin um Hinweise zu Ernst-Volker Staub und möglichen Aufenthaltsorten.
Häufige Fragen zum Fall Ernst-Volker Staub
Wer ist Ernst-Volker Staub?
Ernst-Volker Staub ist ein ehemaliges Mitglied der dritten Generation der RAF und wird seit Jahren von deutschen Ermittlungsbehörden gesucht.
Warum fahndete die Polizei in Hamburg?
Ein Hinweis aus der Bevölkerung führte zu der Vermutung, dass Staub im Bereich St. Pauli oder Altona gesehen worden sein könnte.
Wurde Ernst-Volker Staub festgenommen?
Nein. Der Großeinsatz wurde ohne Festnahme beendet.
Was ist die RAF?
Die RAF, ausgeschrieben „Rote Armee Fraktion“, war eine linksextremistische Terrorgruppe in Deutschland, die zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren aktiv war.
Warum ist der Fall heute noch relevant?
Weil frühere RAF-Mitglieder weiterhin gesucht werden und einige Straftaten bis heute juristisch und gesellschaftlich nicht abgeschlossen sind.
Ressourcen
Quellen und Referenzen in diesem Artikel.


