Der DAX-Konzern Bayer hat sich am Kapitalmarkt frisches Kapital in Höhe von zwei Milliarden Euro gesichert. Die Emission zweier gleich großer Tranchen von je einer Milliarde Euro stieß bei institutionellen Investoren auf starkes Interesse und war nach Unternehmensangaben mehrfach überzeichnet.

Was Investoren bewegt
Die Kapitalmaßnahme fällt in eine Phase, in der sich die Rahmenbedingungen für den Pharma- und Agrarchemiekonzern in Teilbereichen stabilisieren. Anleger griffen trotz der langen Laufzeiten von 30 Jahren beherzt zu, da die Konditionen mit Kupons von 5,75 Prozent für die Variante mit sechsjähriger Kündigungssperrfrist und 6,25 Prozent für die neunjährige Sperrfrist attraktiv schienen. Das Gesamtvolumen der ausstehenden Hybridanleihen des Unternehmens wächst durch diesen Schritt auf 6,55 Milliarden Euro an.
Was offiziell bestätigt ist
Bayer teilte mit, dass die Erlöse für allgemeine Unternehmenszwecke verwendet werden sollen. Beide Tranchen sind so strukturiert, dass führende Ratingagenturen sie zu jeweils der Hälfte als Eigenkapital anerkennen.

Was noch offen ist
Trotz der erfolgreichen Emission bleibt die fundamentale Belastung durch die US-Klagewelle im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter Roundup bestehen. Ein im Februar geschlossener Sammelvergleich über 7,25 Milliarden US-Dollar erhielt zwar eine vorläufige Genehmigung, wartet jedoch weiterhin auf die finale gerichtliche Entscheidung. Bis dieses Verfahren rechtskräftig abgeschlossen ist, verbleibt eine erhebliche juristische und finanzielle Unsicherheit in der Bilanz.
Der größere wirtschaftliche Zusammenhang
Die aktuellen Refinanzierungsmaßnahmen sind Teil einer umfassenden Strategie, um die Nettofinanzverschuldung des Konzerns zu steuern, die Mitte des Jahres bei rund 33,6 Milliarden Euro lag.

Aktueller Stand und Ausblick
Die Aktie reagierte auf dem Parkett zunächst kaum auf die Nachrichten und notierte stabil. Für die kommenden Monate richtet sich der Blick der Märkte vor allem auf den Ausgang des US-Vergleichs und die Frage, ob die eingeleiteten Schritte ausreichen, um die langfristige Schuldenlast nachhaltig zu bewältigen.
Häufig gestellte Fragen
- Was sind Hybridanleihen bei Bayer?
Hybridanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere mit sehr langen Laufzeiten von meist 30 Jahren, die von Ratingagenturen aufgrund ihrer Nachrangigkeit und spezieller Bedingungen zur Hälfte als Eigenkapital gewertet werden. - Warum nimmt Bayer neues Kapital auf?
Die Mittel dienen der allgemeinen Unternehmensfinanzierung und fließen in die Refinanzierung anstehender Verbindlichkeiten sowie die Absicherung bestehender Kreditlinien. - Wie hoch sind die Zinsen für die neuen Anleihen?
Die erste Tranche mit einer sechsjährigen Kündigungssperrfrist bietet einen Kupon von 5,75 Prozent, während die zweite Tranche mit neunjähriger Sperrfrist mit 6,25 Prozent verzinst wird. - Wie wirken sich die Anleihen auf die Verschuldung aus?
Da die Papiere zu fünfzig Prozent als Eigenkapital angerechnet werden, wächst die offizielle Bonitätsschuldenlast weniger stark an als das tatsächlich eingenommene Volumen.