SAP senkt Gewinnausblick trotz starkem Cloudgeschäft
SAP hat seine Prognose für das operative Ergebnis 2026 gesenkt, obwohl das Cloudgeschäft deutlich stärker wächst als erwartet. Der kurzfristige Cloud-Vertragsbestand stieg bis Ende Juni um 27 Prozent auf rund 22,9 Milliarden Euro. Belastet wird der Ergebnisausblick vor allem durch die im Juli abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs.

Wonach derzeit besonders gesucht wird
Im Mittelpunkt steht die scheinbar widersprüchliche Frage, warum SAP seine Ergebnisprognose senkt, obwohl Umsatz, Cloudgeschäft und Vertragsbestand deutlich wachsen. Nach den veröffentlichten Quartalszahlen liegt die Antwort nicht in einer schwächeren Nachfrage, sondern vor allem in zusätzlichen Belastungen durch Zukäufe und höheren Aufwendungen.
Der Gesamtumsatz stieg im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 9 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro. Der Cloudumsatz legte um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro zu. Besonders aufmerksam verfolgt wird der sogenannte kurzfristige Cloud-Vertragsbestand, weil er vertraglich zugesicherte Umsätze der kommenden zwölf Monate abbildet und damit Hinweise auf die weitere Geschäftsentwicklung liefert.
Was bestätigt ist
SAP rechnet beim um Sondereffekte bereinigten operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern währungsbereinigt 2026 nur noch mit einem Wachstum von 13 bis 17 Prozent. Zuvor hatte Konzernchef Christian Klein 14 bis 18 Prozent angepeilt. Nach Angaben des Managements sind die Übernahmen von Dremio und Prior Labs der Grund für die Anpassung.

Finanzchef Dominik Asam erklärte laut den vorliegenden Berichten, dass bei beiden übernommenen Unternehmen im zweiten Halbjahr Verluste anfallen dürften. Zusätzlich verwies er auf höhere Marketingkosten für Angebote rund um Künstliche Intelligenz. Das bereinigte operative Ergebnis stieg im zweiten Quartal um 7 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro und blieb damit hinter den Markterwartungen zurück.
Beim Nettogewinn zeigte sich dagegen ein deutlicher Anstieg: SAP verdiente unter dem Strich 2,21 Milliarden Euro und damit gut ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. Finanzen.net meldete zudem einen Gewinn je Aktie von 1,89 Euro nach 1,45 Euro im Vorjahresquartal. Der Halbjahresumsatz belief sich auf 19,432 Milliarden Euro.
Auch der Kapitalfluss entwickelte sich kräftig. Laut einem weiteren Bericht erreichte der freie Mittelzufluss im zweiten Quartal drei Milliarden Euro, 27 Prozent mehr als im Vorjahr. An der Prognose eines erwarteten Barmittelzuflusses von rund zehn Milliarden Euro für das Gesamtjahr hielt SAP fest.
Was nicht bestätigt ist
Unbestätigt ist vor allem, wie nachhaltig die erste positive Börsenreaktion auf die Zahlen ausfällt. Mehrere Quellen berichten von deutlichen nachbörslichen Kursgewinnen der in den USA gehandelten SAP-Papiere, teils von rund sechs bis knapp acht Prozent. Diese Reaktion zeigt zunächst, dass Anleger dem starken Cloud-Auftragsbestand hohes Gewicht beimessen; daraus lässt sich jedoch keine gesicherte Aussage über die weitere Kursentwicklung ableiten.

Auch die längerfristigen Auswirkungen der Übernahmen von Dremio und Prior Labs auf Umsatz und Profitabilität sind in den vorliegenden Angaben nicht beziffert. Bestätigt ist lediglich, dass sie den bereinigten operativen Gewinn im laufenden Jahr belasten und deshalb die Prognose angepasst wurde.
Das größere Bild
Die Zahlen zeigen, dass SAP seine Verlagerung hin zu wiederkehrenden Cloudumsätzen weiter vorantreibt. Der kurzfristige Cloud-Vertragsbestand wuchs auf 22,9 Milliarden Euro und damit schneller als zuvor. Christian Klein führte diese Entwicklung auf die Strategie rund um Künstliche Intelligenz und stärker automatisierte Unternehmensprozesse zurück.
„Dieses Ergebnis wird durch unsere Strategie für das autonome Unternehmen gestützt, in deren Rahmen unsere SAP Autonomous Suite und SAP Business AI Platform auf große Resonanz stoßen“
Für Kunden und Anleger in Deutschland ist dabei die Kombination zweier Entwicklungen entscheidend: Das Kerngeschäft wächst kräftig, gleichzeitig investiert SAP in neue Technologien und Zukäufe, die kurzfristig auf die Marge drücken. Das Unternehmen nimmt damit niedrigere Ergebniserwartungen in Kauf, während der vertraglich abgesicherte Cloudumsatz weiter steigt.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor für die künftige Planung: SAP hält an seinen Umsatzprognosen und dem Ziel eines Barmittelzuflusses von rund zehn Milliarden Euro fest, verknüpft diese Annahmen laut den Berichten jedoch mit einer baldigen Deeskalation des Konflikts im Nahen Osten.
Aktueller Stand
Nach den Zahlen zum zweiten Quartal bleibt das Bild zweigeteilt. SAP wächst bei Umsatz, Cloudumsatz und Cloud-Vertragsbestand deutlich, während das operative Ergebnis hinter den Erwartungen zurückbleibt und der Jahresausblick für diese Kennzahl gesenkt wurde. Entscheidend für die kommenden Quartale wird sein, wie stark die beiden Übernahmen das Ergebnis tatsächlich belasten und ob sich das hohe Wachstum bei den Cloudverträgen in entsprechend steigende Umsätze umsetzt.
Häufige Fragen zu den SAP-Zahlen
Warum hat SAP den Gewinnausblick gesenkt?
SAP begründet die Anpassung mit den im Juli abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs. Das Unternehmen erwartet bei beiden Einheiten im zweiten Halbjahr Belastungen für das operative Ergebnis.
Wie stark wächst das Cloudgeschäft von SAP?
Der Cloudumsatz stieg im zweiten Quartal um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro. Der kurzfristige Cloud-Vertragsbestand legte um 27 Prozent auf rund 22,9 Milliarden Euro zu.
Wie hoch war der SAP-Umsatz im zweiten Quartal 2026?
Der Gesamtumsatz erreichte 9,88 Milliarden Euro. Das entspricht einem Wachstum von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Wie hoch war der Gewinn von SAP?
Unter dem Strich erzielte SAP im zweiten Quartal einen Gewinn von 2,21 Milliarden Euro. Das waren gut 25 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Wie lautet die neue Ergebnisprognose von SAP?
SAP erwartet beim bereinigten operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern währungsbereinigt nun ein Wachstum von 13 bis 17 Prozent. Zuvor lag die Zielspanne bei 14 bis 18 Prozent.
Warum reagierte die SAP-Aktie nachbörslich positiv?
Die starke Entwicklung des Cloud-Vertragsbestands übertraf die Erwartungen und wurde von Anlegern positiv aufgenommen. Mehrere Quellen meldeten deshalb deutliche nachbörsliche Kursgewinne der in den USA gehandelten SAP-Papiere.
Ressourcen
Quellen und Referenzen in diesem Artikel.
