SpaceX startet an der Börse mit Rekord – doch die Bewertung spaltet den Markt
19,22 Prozent Plus am ersten Handelstag: SpaceX hat seinen Börsenstart nicht leise begonnen, sondern mit einem Kursfeuerwerk. Der Ausgabepreis lag bei 135 US-Dollar, eröffnet wurde bei 150 US-Dollar, am Ende standen 160,95 US-Dollar auf der Tafel. Genau diese Wucht macht den Fall für Anleger so spannend: Der Rekord-Börsengang liefert Euphorie, aber auch eine Bewertung, die Analysten ungewöhnlich weit auseinanderzieht.

Der Kern
- SpaceX legte am 12. Juni 2026 den nach Emissionsvolumen größten Börsengang der Geschichte hin.
- Die Aktie stieg am ersten Handelstag bis auf 176,52 US-Dollar und schloss bei 160,95 US-Dollar.
- Wolfe Research sieht bis Ende 2027 ein Kursziel von 175 US-Dollar, Oppenheimer nennt 190 US-Dollar.
- CFRA bewertet die Aktie deutlich skeptischer und setzt das Kursziel auf 115 US-Dollar.
- Der erste reguläre Quartalsbericht am 2. September 2026 wird zum nächsten großen Prüfpunkt.
Schritt für Schritt erklärt
Der Börsenstart war historisch: SpaceX kam mit einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar an den Markt, eröffnete bei 150 US-Dollar und schob sich im Handel zeitweise auf 176,52 US-Dollar. Der Schlusskurs von 160,95 US-Dollar bedeutete ein Plus von 19,22 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis. Auch am Montag blieb das Papier im Blick: Im vorbörslichen Handel an der NASDAQ lag es zeitweise bei 170,50 US-Dollar, ein weiteres Plus von 5,84 Prozent.
Der eigentliche Streit beginnt aber nicht beim Tageskurs, sondern bei der Frage, wie man ein Unternehmen bewertet, das Raumfahrt, Satelliteninternet und enorme Zukunftserwartungen bündelt. Wolfe-Research-Analystin Emilee Deutchman nahm die Aktie mit einem Kursziel von 175 US-Dollar bis Ende 2027 auf. Ihre Rechnung setzt auf das 16-Fache des erwarteten Umsatzes für 2028 und darauf, dass Starship noch in diesem Jahr erste Nutzlastflüge absolviert. Oppenheimer geht noch höher und startete laut Finanzen.net mit Kaufvotum und einem Kursziel von 190 US-Dollar.

Die optimistische Seite baut ihre These auf niedrige interne Startkosten. IT Boltwise beschreibt, wie Wolfe Research SpaceX nicht nur als Raketenbauer sieht, sondern als Unternehmen, das die Kosten pro Mission verändern könnte. Bei Falcon 9 werden interne inkrementelle Startkosten von rund 14 Millionen US-Dollar genannt. Bei Starship sollen größere Nutzlasten in einer Größenordnung von unter 3 bis 5 Millionen US-Dollar pro Start möglich sein; als rechnerischer Boden wird der Treibstoffpreis von etwa 1 Million US-Dollar je Flug erwähnt.
Genau dort liegt die große Wette. Starship soll vollständige Wiederverwendbarkeit beider Stufen und schnelle Umlaufzeiten bringen. Das würde die Raumfahrt stärker in Richtung industrieller Wiederholung verschieben: weniger Einzelanfertigung pro Mission, mehr Taktung, mehr Kapazität. Für die Börse zählt aber nicht nur die Technik, sondern ob daraus verlässlich Umsatz und Gewinn entstehen.
Warum das zählt
Die Gegenseite schaut auf dieselben Zahlen und kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. CFRA-Analyst Keith Snyder vergab ein Verkaufsvotum mit einem Kursziel von 115 US-Dollar und bezeichnete die Bewertung angesichts der nötigen Wachstumsraten als nahezu absurd. Morningstar geht noch tiefer: Auf Basis eines wahrscheinlichkeitsgewichteten Drei-Szenarien-Modells sieht Analyst Nicolas Owens einen Wert von nur 63 US-Dollar je Aktie. Selbst im optimistischsten Mondlandungsszenario komme SpaceX auf rund 154 US-Dollar inneren Wert; diesem Fall gibt Morningstar laut Finanzen.net eine Wahrscheinlichkeit von 7 Prozent.
Die Skepsis hat einen Grund: SpaceX hat seit der Gründung im Jahr 2002 kumulierte Verluste von 41,3 Milliarden US-Dollar angehäuft. Allein 2025 standen bei einem Umsatz von 18,7 Milliarden US-Dollar ein Nettoverlust von 4,9 Milliarden US-Dollar. Der dauerhaft profitable Bereich sei Starlink; zugleich verbrenne auch die KI-Sparte rund um xAI weiter Milliarden. Für deutsche Privatanleger ist das mehr als eine ferne US-Technologiegeschichte: Wer über Neobroker oder Auslandswerte investiert, kauft hier nicht nur Wachstum, sondern auch extreme Bewertungsannahmen.
Hinzu kommt ein Machtfaktor, den Anleger nicht ausblenden können. Elon Musk hält rund 83,8 Prozent der Stimmrechte und führt zugleich Tesla, X und weitere Unternehmen. Reputationsrisiken, politische Kontroversen oder operative Fehler in einem Bereich können deshalb auf SpaceX abstrahlen, ohne dass Minderheitsaktionäre nennenswert gegensteuern können.
Wie es weitergeht
In der ersten Handelswoche achten Anleger vor allem auf drei Marken und Termine: Hält die Aktie die Unterstützung bei 158 US-Dollar, rutscht sie in Richtung des Eröffnungskurses von 150 US-Dollar, und folgen weitere Analysten mit neuen Bewertungen? Dazu kommt der Lock-up-Zeitplan von Musk: Er darf seine Anteile 366 Tage lang nicht verkaufen.
Der nächste bestätigte große Termin ist der 2. September 2026. Dann steht der erste reguläre Quartalsbericht an. Er wird zeigen, ob die Börsengeschichte nur von Fantasie lebt oder ob Umsatz, Kostenentwicklung und Starlink-Dynamik die hohen Erwartungen zumindest teilweise stützen.
Fragen und Antworten
Wie stark ist die SpaceX-Aktie am ersten Handelstag gestiegen?
Die Aktie schloss bei 160,95 US-Dollar. Das entsprach einem Plus von 19,22 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 135 US-Dollar.
Warum war der SpaceX-Börsengang so besonders?
SpaceX legte am 12. Juni 2026 den nach Emissionsvolumen größten Börsengang der Geschichte hin.
Welche Kursziele nennen Analysten für SpaceX?
Wolfe Research nennt 175 US-Dollar bis Ende 2027, Oppenheimer 190 US-Dollar. CFRA liegt mit 115 US-Dollar deutlich darunter, Morningstar bewertet die Aktie mit 63 US-Dollar.
Warum spielt Starship für die Bewertung eine so große Rolle?
Starship soll durch vollständige Wiederverwendbarkeit beider Stufen die Startkosten stark senken. In optimistischen Modellen ist das der Hebel für hohe Margen und starkes Wachstum.
Welche Risiken sehen skeptische Analysten?
Genannt werden hohe Verluste, sehr anspruchsvolle Wachstumsannahmen, geringe Wahrscheinlichkeit für das optimistischste Szenario und die starke Kontrolle durch Elon Musk.
Wann kommt der nächste wichtige SpaceX-Termin?
Der erste reguläre Quartalsbericht ist für den 2. September 2026 genannt. Er wird für Anleger ein zentraler Belastungstest nach dem Börsenstart.
Ressourcen
Quellen und Referenzen in diesem Artikel.
