[29] spektakuläre Momente: Walter Sittler als gejagter Ermittler im ZDF
Warum sollten sich Krimifans in Deutschland diesen späten Fernseabends-Termin rot im Kalender anstreichen? Das ZDF strahlte am Dienstag, den 23. Juni 2026, um 22:15 Uhr noch einmal das fesselnde fiktive Finale der schwedischen Ära einer Kult-Krimireihe aus. In „Der Kommissar und das Meer – Woher wir kommen, wohin wir gehen“ gerät der beliebte Hauptkommissar Robert Anders, verkörpert von Walter Sittler, selbst unter dringenden Mordverdacht und muss flüchten.

Ein persönliches Drama auf Gotland
Die 2021 produzierte 29. Episode markiert einen historischen Wendepunkt für die Produktion. Bevor die Krimireihe aus logistischen Gründen an den Bodensee verlegt wurde, schickte Regisseur und Drehbuchautor Thomas Roth den Protagonisten durch eine emotionale Hölle. Die ruhige, karge Kulisse der schwedischen Ferieninsel Gotland kontrastiert in diesem Film radikal mit dem dichten, persönlichen Geflecht, das die Ermittler umschließt.
Hintergrund für den späteren Wechsel der gesamten Reihe nach Deutschland waren vor allem die hohen Produktionskosten. Da die gesamte deutsche Besetzung sowie die Crew für jeden Dreh auf die schwedische Insel reisen und dort untergebracht werden mussten, entschied man sich nach dieser Episode für einen Neustart in der Heimat. Für den Hauptdarsteller bedeutete dies jedoch keinen Abschied von seiner liebgewonnenen Rolle, die er über 14 Jahre hinweg mit einer charakteristischen, gelassenen Nachdenklichkeit füllte.
Wenn der Ermittler zum Gejagten wird
Die Handlung setzt ein mit dem Fund einer stark verwundeten, verwest aufgefundenen Frauenleiche in einem Kiefernwäldchen. Schockierende Gewissheit erlangen die Beamten schnell: Es handelt sich um Line Anders, gespielt von Paprika Steen, die Ex-Frau des Kommissars. Line hatte nach der Trennung jahrelang als Hebamme in Afrika gearbeitet und wollte nach ihrer Rückkehr offenbar Kontakt zu Robert aufnehmen. Ein geplantes Treffen vor zwei Monaten scheiterte jedoch – nun ist sie tot.

Was folgt, ist ein handfester Nervenkrieg. Die neu hinzugestoßene Kriminalhauptkommissarin Anna-Maja Haglund, dargestellt von Maria Alm Norell, verdächtigt Anders aufgrund erdrückender Indizien massiv. Handydaten verorten den Kommissar zur Tatzeit nahe dem Fundort, und sein Name taucht in Lines Notizen auf. Um einer Festnahme wegen Befangenheit und dringendem Mordverdacht zu entgehen, taucht Anders kurzerhand unter. Er ermittelt auf eigene Faust undercover weiter und stößt dabei auf Verdächtige wie Knut Karlström, einen Ex-Geliebten seiner Ex-Frau, und den Geburtshelfer Erik Henning.
Stimmen zum großen Abschied
Das Zusammenspiel zwischen der kühlen, karriereorientierten Kontrahentin Haglund und dem alternden, erfahrenen Ermittler verleiht dem Film seine besondere Dynamik. Am Ende löst sich der Konflikt in gegenseitigem Respekt auf, und langjährige Weggefährten verabschieden den Kollegen gebührend. Besonders die Rechtsmedizinerin Ewa Svensson, gespielt von der ehemaligen „Pippi Langstrumpf“-Darstellerin Inger Nilsson, stellt sich im Film hinter Anders.
Auch Hauptdarsteller Walter Sittler blickt gern auf diese Ära zurück, die insgesamt 34 Filme umfasst. Er betonte in einem Interview, wie sehr ihm die Figur ans Herz gewachsen sei:
Kommissar Anders versucht, die Menschen so zu sehen, wie sie sind und nicht durch das Gitter der Gesetzgebung in eine Schublade einzuordnen.
Wie es für den TV-Star weitergeht
Was für Fans besonders beruhigend ist: Robert Anders blieb dem Fernsehen erhalten. Unter dem Titel „Der Kommissar und der See“ ermittelt die Figur seit 2022 im offiziellen Ruhestand am Bodensee weiter. Bislang wurden vier Filme ausgestrahlt, der letzte im November 2025. Ein fünfter Film mit dem Arbeitstitel „Spätlese“ ist bereits komplett abgedreht und soll im Laufe des Jahres 2026 ausgestrahlt werden.
Danach soll jedoch auf eigenen Wunsch des 73-jährigen Schauspielers endgültig Schluss sein mit der Kommissarsrolle. Sittler wird keineswegs langweilig: Im April 2026 brachte er gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Regissörin Sigrid Klausmann, die Dokumentation „Girls Don't Cry“ in die Kinos. Zudem zieht es den vielseitigen Darsteller, der ab Mitte der 1990er-Jahre durch Serien wie „girl friends“ und „Nikola“ berühmt wurde, wieder verstärkt auf die Theaterbühnen und zu literarischen Lesungen.
Der Weg in die Zukunft
Krimifans müssen nicht traurig sein, denn der endgültige Abschied von der Bodensee-Reihe steht zwar bevor, doch die Wiederholungen der schwedischen Klassiker in der ZDF-Mediathek und auf Plattformen wie Joyn zeigen die zeitlose Qualität der Reihe. Der Fokus des Schauspielers liegt nun auf privaten Projekten, wie der Familie und dem Enkelkind in Schwäbisch Hall, sowie der kritischen Neugier auf neue künstlerische Aufgaben.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann lief der letzte Fall aus Gotland im Fernsehen?
Das ZDF strahlte die Wiederholung der Folge „Woher wir kommen, wohin wir gehen“ am Dienstag, 23. Juni 2026, von 22:15 Uhr bis 23:45 Uhr aus. Auf Joyn ist sie ebenfalls abrufbar.
Warum wurde die Serie auf Gotland eingestellt?
Die ursprüngliche Krimireihe wurde vor allem wegen der enormen Produktionskosten beendet, die durch den Transport und die Unterbringung des deutschen Teams in Schweden entstanden waren.
Wie heißt die Nachfolgeserie mit Walter Sittler?
Die Reihe wurde unter dem Namen „Der Kommissar und der See“ an den Bodensee verlegt. Der fünfte und finale Teil trägt den Arbeitstitel „Spätlese“.
Hört Walter Sittler komplett mit der Schauspielerei auf?
Nein, er verabschiedet sich zwar aus der Krimireihe, bleibt aber weiterhin mit Theaterprogrammen (wie „Gestatten, Kästner!“), Lesungen mit Mariele Millowitsch und als Filmproduzent aktiv.
Ressourcen
Quellen und Referenzen in diesem Artikel.
