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Nach Umbau am 12. Juni: ProSiebenSat.1 ordnet Sat.1 und ProSieben neu

ProSiebenSat.1 beendet die klassische Senderchef-Logik bei ProSieben und Sat.1. Marc Rasmus und Hannes Hiller bleiben, verlieren aber operative Planungsmacht.

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ProSiebenSat.1 hat am 12. Juni 2026 in Unterföhring die Führung seiner Unterhaltungssparte neu zugeschnitten und die klassischen Senderchef-Rollen bei ProSieben und Sat.1 faktisch beendet. Marc Rasmus und Hannes Hiller bleiben im Unternehmen, verlieren aber die operative Senderplanung und sollen künftig Programme über mehrere Ausspielwege hinweg entwickeln.

Für Zuschauerinnen und Zuschauer ändert sich nicht sofort der Name auf der Fernbedienung: ProSieben, Sat.1, Kabel Eins und die weiteren Marken bleiben bestehen. Intern verschiebt sich aber viel Macht von einzelnen Sendern hin zu zentralen Teams, die nach Programmgattungen und Reichweite planen.

Marc Rasmus und Hannes Hiller bei Veranstaltungen des Konzerns
Marc Rasmus und Hannes Hiller erhalten bei ProSiebenSat.1 neue Aufgaben — BILD

Die ganze Geschichte

Am Mittwoch stellte Henrik Pabst, Chief Content Officer der ProSiebenSat.1 Media SE, intern eine neue Struktur für die Unterhaltungssparte vor. Der Kern: Inhalte sollen nicht mehr vorrangig aus Sicht einzelner Sender geplant werden, sondern nach Programmgattungen wie Fiktion, Wirklichkeitsformate, Wissens- und Alltagsformate, Show und Komödie.

DWDL berichtete zuerst über die neue Matrix-Struktur und die veränderten Rollen. Der Konzern bestätigte anschließend auf Anfrage, dass Rasmus und Hiller künftig für die Entwicklung neuer Programme und den Ausbau bestehender Markenwelten zuständig sind. Rasmus soll Sat.1 weiter nach innen und außen vertreten, Hiller entsprechend ProSieben.

Henrik Pabst von Seven One Entertainment
Henrik Pabst treibt die Neuordnung der Unterhaltungssparte voran — DWDL

Die eigentliche Sender- und Gattungsplanung wandert dagegen stärker zu Arne Neumann. Sein Bereich Content Strategy & Windowing bekommt laut DWDL künftig die Verantwortung für die übergreifende Sender- und Genre-Portfolio-Strategie und -Planung. Damit verliert das klassische Modell, bei dem ein Senderchef Programm, Marke und Planung bündelt, deutlich an Gewicht.

Der Umbau folgt auf größere Veränderungen bei ProSiebenSat.1. BILD ordnet den Schritt in die Zeit nach der Mehrheitsübernahme durch MFE ein, hinter der Pier Silvio Berlusconi und Marina Berlusconi stehen. Bereits im Herbst 2025 wurde der Vorstand ausgetauscht; Marco Giordani, früher Finanzchef des Berlusconi-Imperiums, kam demnach als neuer ProSiebenSat.1-Chef.

Wer beteiligt ist

Marc Rasmus, 53, war bislang Senderchef von Sat.1. In den Quellen wird er als prägender TV-Macher beschrieben, der an Formaten wie „Big Brother“, „Frauentausch“ und „The Biggest Loser“ beteiligt war. Hannes Hiller, 55, hatte den ProSieben-Chefposten Ende 2023 beziehungsweise im November 2023 übernommen.

Henrik Pabst verantwortet als Chief Content Officer die inhaltliche Neuaufstellung. Seine Begründung zielt auf die veränderte Nutzung: Menschen schauen Sendungen heute nicht mehr nur im linearen Programm, sondern auch über digitale Angebote und Joyn.

Unsere Zuschauerinnen und Zuschauer schauen unsere Inhalte auf unterschiedlichen Plattformen. Darauf richten wir unsere Struktur konsequent aus: Für eine maximale Gesamtreichweite müssen wir unser Windowing über alle digitalen Wege und Plattformen und unsere linearen Sender zentral steuern. Zudem organisieren wir unser Content-Team nach Genres

— Henrik Pabst, Chief Content Officer der ProSiebenSat.1 Media SE

Felix von Mengden bleibt laut Unternehmensangaben für Kabel Eins zuständig. Ellen Koch verantwortet weiterhin Sixx, ProSieben Maxx, Sat.1 Gold und Kabel Eins Doku. Jenny Beavers wird bei DWDL als Vertreterin von Joyn genannt.

In Zahlen

12. Juni 2026 ist der Tag, an dem die Neuordnung öffentlich wurde. DWDL datiert seine Meldung auf 13:44 Uhr, BILD berichtete später um 18:05 Uhr, weitere Dienste folgten am Abend.

2023 spielt in der Personalgeschichte ebenfalls eine Rolle: Arne Neumann ist seit November 2022 im Unternehmen und seit November 2023 Senior Vice President Windowing. Hannes Hiller übernahm seinen ProSieben-Posten ebenfalls im November 2023, Rasmus kam vor mehr als zwei Jahren zu Sat.1.

Vier zentrale Programmgattungen nennt ProSiebenSat.1 ausdrücklich: Fiktion, Wirklichkeitsformate, Show und Komödie. Diese Ordnung ist nicht nur Verwaltungskram, sondern verändert Entscheidungswege: Ein Format wird künftig stärker danach bewertet, wie es über mehrere Kanäle hinweg funktioniert, nicht nur auf einem festen Sendeplatz.

Matrix-Struktur
Eine Organisationsform, bei der Zuständigkeiten nicht nur nach Marken oder Abteilungen laufen, sondern quer dazu nach Aufgabenfeldern oder Programmgattungen.
Fensterplanung
Die Planung, wann und wo ein Inhalt ausgespielt wird, etwa im linearen Fernsehen, in einer Mediathek oder auf Joyn.
Sendermarke
Der öffentliche Auftritt eines Kanals wie ProSieben oder Sat.1, inklusive Programmgefühl, Zielgruppe und Wiedererkennung.

Was das bedeutet

Für die deutsche Fernsehbranche ist die Entscheidung mehr als eine Personalnotiz. ProSiebenSat.1 versucht, die alte Senderlogik an ein Publikum anzupassen, das Sendungen mal live, mal zeitversetzt und mal in Ausschnitten konsumiert. Wenn Planung und Auswertung zentraler laufen, kann der Konzern Formate schneller über verschiedene Wege ausspielen.

Marc Rasmus und Hannes Hiller als bisherige Senderchefs
Die bisherigen Senderchefs bleiben als Markenvertreter im Unternehmen — fernsehserien.de

Der Preis dafür ist eine stärkere Zentralisierung. Sender wie ProSieben und Sat.1 behalten zwar ihre Namen, aber weniger eigenständige operative Planung. Für Produktionsfirmen kann das bedeuten, dass Ideen künftig stärker nach Gattung und plattformübergreifender Verwertung beurteilt werden.

Für Zuschauerinnen und Zuschauer in Deutschland ist vor allem interessant, ob die neue Ordnung bessere Programme hervorbringt oder nur Zuständigkeiten verschiebt. Ähnliche Bündelungen gibt es in der Branche schon länger, weil lineares Fernsehen und digitale Nutzung wirtschaftlich enger zusammengedacht werden müssen. Entscheidend wird sein, ob die Marken trotz zentraler Planung unterscheidbar bleiben.

Wie es weitergeht

Bestätigt ist: Rasmus entwickelt künftig Programme in Bereichen wie Fiktion, Wirklichkeitsformate sowie Wissens- und Alltagsformate. Hiller übernimmt Aufgaben rund um Shows und Komödie. Arne Neumann erhält mehr Gewicht bei der übergreifenden Sender- und Gattungsplanung.

Die Sendermarken ProSieben, Sat.1, Kabel Eins, Sixx, ProSieben Maxx, Sat.1 Gold und Kabel Eins Doku bleiben laut den vorliegenden Unternehmensangaben bestehen. Nicht genannt wurden konkrete Programmänderungen oder Starttermine für neue Formate aus der neuen Struktur.

Fragen und Antworten

Werden ProSieben und Sat.1 abgeschafft?

Nein. Laut ProSiebenSat.1 bleiben die Sendermarken bestehen. Neu ist, dass die operative Programmorganisation stärker nach Programmgattungen und zentralen Ausspielwegen sortiert wird.

Sind Marc Rasmus und Hannes Hiller entlassen?

Nein. Beide bleiben im Unternehmen und bekommen neue Aufgaben. Rasmus soll Sat.1 weiter repräsentieren, Hiller ProSieben.

Warum baut ProSiebenSat.1 die Führung um?

Der Konzern begründet den Umbau damit, dass Zuschauerinnen und Zuschauer Inhalte über unterschiedliche Plattformen nutzen. Deshalb sollen Planung und Auswertung über lineare Sender und digitale Angebote hinweg zentraler gesteuert werden.

Welche Rolle bekommt Arne Neumann?

Arne Neumann verantwortet künftig stärker die übergreifende Sender- und Gattungsplanung. Sein Bereich Content Strategy & Windowing wird damit zu einem zentralen Punkt der neuen Struktur.

Was ändert sich für das Programm im Fernsehen?

Konkrete neue Sendungen oder Sendeplatzänderungen wurden in den bereitgestellten Quellen nicht genannt. Der Umbau betrifft zunächst die Organisation hinter den Programmen, kann aber später beeinflussen, wie Formate entwickelt und über verschiedene Ausspielwege verteilt werden.

Sources

  1. DWDLJun 12, 2026Neue Matrix
  2. BILDJun 12, 2026Chefs von ProSieben und Sat.1 abgesetzt!
  3. oe24.atJun 12, 2026Sendergruppe trennt sich von Top