Schlafmangel in Deutschland: Fast 40 Prozent schlafen weniger als 7 Stunden
Knapp 39,6 Prozent der Erwachsenen in Deutschland schlafen an Wochentagen weniger als sieben Stunden und unterschreiten damit die internationale Mindestempfehlung für gesunden Schlaf. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Robert Koch-Instituts auf Basis der bundesweiten Befragung Gesundheit in Deutschland aktuell. Die Auswertung zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern sowie erhebliche gesundheitliche Risiken für Millionen Erwerbstätige auf.
Was passiert ist
Eine Forschungsgruppe unter Leitung des Robert Koch-Instituts hat im Fachmagazin Journal of Health Monitoring umfassende Daten zum Schlafverhalten der Bevölkerung vorgelegt. Internationale Empfehlungen definieren für Erwachsene eine Schlafdauer von weniger als sieben Stunden pro Nacht als zu kurz. In Deutschland betrifft dieses Defizit an Wochentagen nahezu vier von zehn Personen.
Männer sind von kurzen Schlafzeiten stärker betroffen als Frauen: 43,2 Prozent der Männer gaben an, unter der Woche weniger als sieben Stunden zu schlafen, verglichen mit 36,2 Prozent der Frauen. Den höchsten Wert verzeichneten Männer mittleren Alters zwischen 45 und 64 Jahren, bei denen der Anteil bei 53,0 Prozent liegt. Am Wochenende sinkt der Anteil der Kurzschläfer über die gesamte Bevölkerung betrachtet auf 22,7 Prozent.
Hintergrund der Untersuchung

Die Datengrundlage bildet die telefonische Querschnittserhebung GEDA 2023, für die zwischen Mai 2023 und Februar 2024 insgesamt 8.026 Erwachsene ab 18 Jahren befragt wurden. Erfasst wurden selbstberichtete Zeiten für das Zubettgehen, das Einschlafen und das morgendliche Erwachen innerhalb der letzten vier Wochen.
Bereits in früheren Berichten stellte das RKI fest, dass fast jeder dritte Erwachsene in Deutschland unter Durchschlafproblemen leidet und etwa jeder Sechste über Probleme beim Einschlafen klagt. Als Treiber für veränderte Schlafgewohnheiten nennen die Forschenden unter anderem gestiegene Smartphonenutzung, Folgen der Pandemie, Belastungen durch Schichtarbeit sowie Lärm und Umweltfaktoren.
Die neuesten Erkenntnisse

Die Studie untersuchte auch den Einfluss des Bildungsniveaus, wobei ein statistisch eindeutiger Zusammenhang nur bei Männern nachgewiesen werden konnte. In der hohen Bildungsgruppe schliefen an Wochentagen rund 35 Prozent der Männer zu kurz, in der niedrigen Bildungsgruppe waren es etwa 43 Prozent und in der mittleren Bildungsgruppe rund 46 Prozent.
Zudem variiert die Erholung am Wochenende stark nach Altersgruppen. Junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren gleichen das Schlafdefizit am Wochenende am stärksten aus. Bei Menschen ab 65 Jahren zeigten sich hingegen kaum Unterschiede in der Schlafdauer zwischen Werktagen und dem Wochenende.
Bedeutung für Gesundheit und Alltag
Anhaltender Schlafmangel greift direkt in physiologische Steuerungsmechanismen ein. Laut den Forschenden führt eine zu kurze Schlafdauer zu Veränderungen des sympathischen Nervensystems, der hormonellen Regulation und des zirkadianen Rhythmus. Dies erhöht das Risiko für Hypertonie, Adipositas, Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch psychische Leiden wie Angstzustände und Depressionen stehen in direktem Zusammenhang mit Schlafmangel.
Angesichts dieser Risiken fordert das Institut strukturelle und individuelle Maßnahmen. Neben persönlichem Schlafverhalten spielen Umgebungsbedingungen wie nächtlicher Lärm, Raumtemperaturen, Lichteinflüsse und Arbeitszeiten eine entscheidende Rolle für die Erholung.
Offene Fragen
Die vorgestellten Daten basieren auf Selbstauskünften der Befragten und nicht auf apparativen Messungen im Schlaflabor. Das RKI weist darauf hin, dass qualitative Dimensionen wie die konkrete Schlafqualität, Tagesmüdigkeit oder spezifische Schlafunterbrechungen nicht gesondert in dieser Auswertung modelliert wurden. Zudem entwickeln nicht alle Personen mit kurzen Schlafzeiten automatisch Folgeschäden, weshalb individuelle Kompensationsmechanismen Gegenstand weiterer Forschung bleiben.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Menschen in Deutschland schlafen zu wenig?
Unter der Woche schlafen 39,6 Prozent der Erwachsenen in Deutschland weniger als sieben Stunden. Am Wochenende liegt dieser Anteil bei 22,7 Prozent.
Welche Alters- und Geschlechtergruppe ist am stärksten betroffen?
Männer im Alter von 45 bis 64 Jahren schlafen am häufigsten zu wenig. In dieser Gruppe kommen 53 Prozent an Wochentagen auf weniger als sieben Stunden Schlaf.
Wie viele Stunden Schlaf empfehlen Fachleute für Erwachsene?
Internationale Empfehlungen setzen für Erwachsene eine Mindestschlafdauer von sieben Stunden pro Nacht an.
Welche gesundheitlichen Folgen kann Schlafmangel haben?
Zu wenig Schlaf gilt als Risikofaktor für Bluthochdruck, Adipositas, Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie für Angstzustände und Depressionen.
Holen die Menschen in Deutschland Schlaf am Wochenende nach?
Ja, insbesondere jüngere Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren schlafen am Wochenende deutlich länger. Bei Personen über 65 Jahren unterscheidet sich die Schlafdauer kaum zwischen den Tagen.
Ressourcen
Quellen und Referenzen in diesem Artikel.
