Crans-Montana: Neue Ermittlungen nach Brandkatastrophe

Ein halbes Jahr nach dem Feuer in Crans-Montana prüft die Justiz mögliche Fehler beim Rettungseinsatz. Zugleich soll aus der Unglücksbar ein Jugendzentrum werden.

Crans-Montana: Neue Ermittlungen nach Feuerdrama
Letzte AktualisierungJun 28, 2026, 11:11:40 PM
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Crans-Montana: Neue Ermittlungen nach Brandkatastrophe

41 Tote und 115 Verletzte: Ein halbes Jahr nach dem Feuer in der Bar „Le Constellation“ rückt der Rettungseinsatz selbst in den Fokus der Justiz. Die Staatsanwaltschaft im Kanton Wallis hat ein neues Ermittlungsverfahren eingeleitet, nachdem Überlebende und Anwälte von langen Wartezeiten in der Silvesternacht berichteten. Für die Familien geht es nicht nur um die Ursache des Feuers, sondern auch um die Frage, ob Menschen nach der Flucht aus der Bar schneller hätten versorgt werden müssen.

Brandort in Crans-Montana nach der Katastrophe
Der Brandort in Crans-Montana steht weiter im Zentrum der Ermittlungen — tagesschau.de

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Staatsanwaltschaft hat ein neues Verfahren eingeleitet, um mögliche Fehler beim Rettungseinsatz in Crans-Montana zu prüfen.
  • Bei dem Brand in der Bar „Le Constellation“ starben 41 Menschen, 115 wurden verletzt, viele davon Jugendliche.
  • Nach den Recherchen berichten Brandverletzte in mindestens drei Fällen, erst mehr als zwei Stunden nach Ausbruch des Feuers behandelt worden zu sein.
  • Der Rettungsdienst weist den Vorwurf einer mangelhaften medizinischen Versorgung vor Ort zurück.
  • Die frühere Bar soll nach Angaben des Walliser Regierungschefs Christophe Darbellay nicht wieder als Bar öffnen, sondern zu einem Jugendzentrum werden.

Was genau passiert ist

Die Katastrophe begann in der Silvesternacht in einer voll besetzten Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana. Nach bisherigen Angaben hielt eine Kellnerin Sprühfontänen, die an Champagnerflaschen angebracht waren, zu nah an die Decke. Der dort verbaute Akustikschaum fing Feuer; innerhalb von 92 Sekunden entstand ein Vollbrand.

Gerade diese Geschwindigkeit erklärt, warum die Ermittlungen so weit über den Moment des Ausbruchs hinausreichen. Der Schaumstoff war nach Angaben des Barinhabers bereits rund zehn Jahre vor dem Brand zur Dämmung eingebaut worden. Bei zwei Brandschutzkontrollen der Gemeinde soll er nach Angaben der Kontrolleure nicht aufgefallen sein; die Ermittlungen dazu laufen weiter.

Weltspiegel-Beitrag über Überlebende der Brandkatastrophe
Die Weltspiegel-Recherchen begleiten Überlebende und ihre Familien — SWR

Nach einem polizeilichen Bericht wurden 37 Tote im Untergeschoss gefunden, die meisten in der Nähe der Treppe. Diese Treppe war der einzige Weg ins Freie, weil der Zugang zum Notausgang versperrt war; warum genau, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Drei weitere Menschen wurden im Erdgeschoss gefunden und nach draußen gebracht, waren dem Bericht zufolge jedoch bereits verstorben.

Neu ist nun der Blick auf die Zeit nach der Flucht. In mindestens drei Fällen berichten Verletzte oder ihre Familien, dass Hilfe erst sehr spät kam. Der italienische Anwalt Fabrizio Ventimiglia sagt über seine 16-jährige Mandantin Sofia, die Verzögerung habe ihren Zustand verschlechtert. In einem anderen Fall hielt die Familie eines 17-jährigen Jungen fest, dass er bis 4 Uhr morgens auf dem Boden wartete, während sein Bewusstsein nachließ.

Warum das für viele so schwer wiegt

Der Einsatzleiter der Sanitäter, Fredy-Michel Roten, bestätigt Wartezeiten, bestreitet aber einen Mangel bei der medizinischen Versorgung. Die ersten Fachkräfte seien nach 10 bis 15 Minuten vor Ort gewesen, um Schwerverletzte zu versorgen. Aus Sicht der Rettungsorganisation war die Lage ein „Massenanfall von Verletzten“, also eine Ausnahmesituation, in der normale Abläufe nicht mehr vollständig funktionieren.

Für Überlebende macht diese Erklärung die Erinnerung nicht weniger schmerzhaft. Valentin, damals 17 Jahre alt, erlitt Verbrennungen an 40 Prozent seiner Haut und wartete nach eigenen Schilderungen zunächst in einem Café und später in einer Bankfiliale neben der Bar. Er sagte in der ARD-Dokumentation: „Ich wollte schlafen, aber vielleicht, wenn ich einschlafe, wäre ich nicht mehr aufgewacht.“

Crans-Montana im Umbau nach der Brandkatastrophe
In Crans-Montana werden Brandschutz und Kontrollen neu diskutiert — Neue Zürcher Zeitung

Für Leserinnen und Leser in Deutschland ist der Fall auch deshalb nah, weil die ARD-Recherchen eine deutsch-französische Familie begleiten und die Doku in der ARD Mediathek verfügbar ist. Darüber hinaus stellt die Katastrophe eine Frage, die jeden Veranstaltungsort betrifft: Wie zuverlässig sind Brandschutzkontrollen, wenn eine einzelne Decke und ein versperrter Fluchtweg binnen Minuten über Leben und Tod entscheiden können?

Wie es jetzt weitergeht

Die Ermittlungen gegen das Betreiberpaar Jacques und Jessica Moretti laufen weiter. Im Raum stehen unter anderem Verdachtsmomente wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung; laut n-tv wurde gegen Jessica Moretti im Juni zudem eine weitere Anklage wegen des Verdachts der Urkundenfälschung erhoben, bei der es um eine Rechnung aus dem Jahr 2015 zum Kauf von Schaumstoffen geht.

Parallel plant der Kanton Wallis einen Erinnerungsort. Regierungschef Christophe Darbellay sagte, die Bar werde „nie wieder eine Bar sein“ und solle stattdessen ein Ort werden, „der der Jugend gewidmet ist“. Für den 1. Januar 2027, den ersten Jahrestag der Katastrophe, ist eine Gedenkfeier vorgesehen; außerdem soll ein Denkmal entstehen.

Häufige Fragen

Was ist in Crans-Montana passiert?

In der Silvesternacht brach in der Bar „Le Constellation“ ein Feuer aus. Nach bisherigen Angaben entzündeten Sprühfontänen an Champagnerflaschen den Akustikschaum an der Decke, worauf sich der Brand extrem schnell ausbreitete.

Wie viele Menschen starben bei dem Brand?

Bei dem Feuer starben 41 Menschen, weitere 115 wurden verletzt. Viele Betroffene waren Jugendliche oder junge Erwachsene, die in der Bar ins neue Jahr gefeiert hatten.

Warum gibt es neue Ermittlungen?

Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob es Fehler beim Rettungseinsatz gab. Auslöser sind Berichte von Verletzten und Anwälten, wonach in mindestens drei Fällen erst mehr als zwei Stunden nach Ausbruch des Feuers medizinische Hilfe gekommen sein soll.

Was sagt der Rettungsdienst zu den Vorwürfen?

Einsatzleiter Fredy-Michel Roten bestreitet nicht, dass es Wartezeiten gab. Er sagt aber, die ersten Fachkräfte seien nach 10 bis 15 Minuten vor Ort gewesen, und es habe keinen Mangel bei der medizinischen Versorgung vor Ort gegeben.

Was soll aus der Bar „Le Constellation“ werden?

Nach Angaben des Walliser Regierungschefs Christophe Darbellay soll die Bar nicht wieder als Bar öffnen. Stattdessen ist ein Jugendzentrum geplant, außerdem ein Denkmal und eine Gedenkfeier zum ersten Jahrestag am 1. Januar 2027.

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Verfasst von

Ahmed Sezer

Leitender Redakteur

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Dieser Artikel wurde mit KI-gestützten Redaktionstools erstellt und vor der Veröffentlichung nach den redaktionellen Standards von Trend Digest geprüft.

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