20 Prozent mehr Alkoholsteuer: Klingbeils Plan trifft Schnaps, Sekt und Alkopops
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil will die Alkoholsteuer in Deutschland ab dem kommenden Jahr um 20 Prozent erhöhen, wie mehrere Medien unter Berufung auf einen Gesetzentwurf des Finanzministeriums berichten. Für Verbraucherinnen und Verbraucher würden vor allem Spirituosen, Sekt, Champagner, Likörweine und Alkopops teurer, während Bier und Wein ausgenommen bleiben.
Die Pläne bringen dem Bund nach Angaben aus dem Entwurf jährlich rund 400 bis 455 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen. Zugleich öffnen sie eine bekannte Streitfrage neu: Soll der Staat Alkohol stärker besteuern, um den Haushalt zu stabilisieren, oder müssten die Einnahmen gezielt in Prävention und Gesundheitsversorgung fließen?

Die ganze Geschichte
Der Entwurf aus dem Bundesfinanzministerium sieht vor, die Alkoholsteuer von 13,03 Euro auf 15,64 Euro je Liter Reinalkohol anzuheben. Konkret würde eine 0,7-Liter-Flasche einer Spirituose mit 40 Volumenprozent, etwa Wodka, Whisky oder Rum, inklusive Mehrwertsteuer um 87 Cent teurer. Das ist spürbar an der Kasse, aber kein Preissprung, der eine Flasche Hochprozentiges gleich in eine andere Liga schiebt.
Betroffen wären nicht nur klassische Spirituosen. Auch Sekt, Champagner, mit Alkohol versetzte Likörweine wie Sherry oder Portwein sowie Alkopops sollen um 20 Prozent höher besteuert werden. Bier dagegen soll nicht angefasst werden; Wein bleibt weiterhin ohne besondere Steuer. Gerade diese Ausnahmen dürften politisch noch für Gesprächsstoff sorgen, weil der Plan nicht alle alkoholischen Getränke gleich behandelt.

Der Hintergrund ist der Bundeshaushalt 2027. Das Kabinett hatte eine Anhebung der Alkoholsteuer grundsätzlich bereits im April beschlossen, um Haushaltslücken zu schließen. Nach Berichten über die Eckwerte soll der Haushalt am 6. Juli im Kabinett beschlossen werden; danach folgen die Beratungen im Bundestag. Der Tagesspiegel nennt als erwartete Mehreinnahmen 455 Millionen Euro jährlich, andere Berichte sprechen von rund 400 Millionen Euro.
Parallel läuft eine gesundheitspolitische Debatte. Eine von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzte Kommission hatte deutlich mehr gefordert: für 2027 eine Erhöhung um mehr als 40 Prozent, bis 2029 sogar eine Verdoppelung. Die nun genannten 20 Prozent liegen also klar unter dem Vorschlag der Fachleute, die mit höheren Preisen auch sinkenden Konsum erreichen wollen.
Schlüsselpersonen
Lars Klingbeil steht als Bundesfinanzminister im Mittelpunkt des Vorhabens. Sein Ministerium arbeitet laut den Berichten an dem Gesetzentwurf, der die Steuererhöhung ab 2027 in die Haushaltsplanung einbindet.
Nina Warken, Bundesgesundheitsministerin der CDU, ist über die von ihr eingesetzte Expertenkommission Teil der Debatte. Diese Kommission hatte höhere und auf mehrere Jahre gestaffelte Anhebungen empfohlen. Aus dem Gesundheitsbereich kommt außerdem die Forderung, zusätzliche Einnahmen nicht einfach im allgemeinen Haushalt verschwinden zu lassen, sondern für Prävention, Gesundheitsförderung und Versorgung einzusetzen.
Als betroffene Gruppen stehen neben Verbraucherinnen und Verbrauchern auch Handel, Gastronomie und Hersteller im Blick. Für Supermärkte und Getränkemärkte geht es um Preisschilder und Absatz, für Bars und Restaurants um Kalkulationen. Für viele Haushalte in Deutschland wird die Wirkung vor allem davon abhängen, wie oft sie Spirituosen, Sekt oder Alkopops kaufen.
Zahlen und Fakten
Die geplante Erhöhung liegt bei 20 Prozent. Der Steuersatz würde von 13,03 Euro auf 15,64 Euro je Liter Reinalkohol steigen. Bei einer 0,7-Liter-Flasche mit 40 Volumenprozent entspricht das einem Plus von 87 Cent inklusive Mehrwertsteuer.
Die erwarteten Mehreinnahmen werden je nach Bericht mit rund 400 Millionen Euro beziehungsweise 455 Millionen Euro pro Jahr angegeben. Zusätzlich werden im Umfeld der Haushaltsplanung weitere Verbrauchsteuern diskutiert oder angekündigt, darunter eine höhere Tabaksteuer und eine Zuckerabgabe auf zuckerhaltige Getränke.
Gesundheitlich ist die Dimension groß: Nach Angaben aus der Frankfurter Rundschau sterben in Deutschland jährlich etwa 44.000 bis 47.500 Menschen an den Folgen von Alkoholkonsum. Außerdem konsumieren rund 8,6 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren Alkohol in gesundheitlich riskanter Weise.
Was das bedeutet
Für Menschen in Deutschland heißt der Plan vor allem: Hochprozentiges und Schaumwein könnten ab 2027 etwas teurer werden, Bier und Wein aber nicht. Das macht die Maßnahme politisch anschlussfähig, weil sie nicht in jedes Feierabendbier und nicht in jede Flasche Wein im Restaurant hineinregiert. Gleichzeitig entsteht genau dadurch Kritik, denn gesundheitspolitisch wirkt eine Steuererhöhung weniger konsequent, wenn große Getränkekategorien außen vor bleiben.
Der Kernkonflikt liegt beim Zweck der Einnahmen. Das Finanzministerium stellt die Konsolidierung des Bundeshaushalts 2027 und der Finanzplanung bis 2030 in den Vordergrund. Stimmen aus dem Gesundheitswesen wollen dagegen, dass das Geld direkt in Prävention und Versorgung fließt. Der Vorsitzende des BVÖGD, Peter Schäfer, sagte laut Deutschem Ärzteblatt: Steuern auf gesundheitsschädliche Produkte können einen wichtigen Beitrag zur Prävention leisten
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Damit prallen zwei Logiken aufeinander: Der Haushalt braucht Einnahmen, das Gesundheitssystem sucht Entlastung. Für die Bürgerinnen und Bürger ist am Ende weniger die juristische Feinheit entscheidend als die Frage, ob höhere Preise tatsächlich zu weniger riskantem Konsum führen oder nur als zusätzliche Einnahmequelle wahrgenommen werden.
Was jetzt zu erwarten ist
Als nächster bestätigter Schritt steht der Kabinettsbeschluss zum Bundeshaushalt 2027 am 6. Juli im Raum. Danach folgen die Beratungen im Bundestag, in denen Höhe, Ausnahmen und Zweck der Mehreinnahmen politisch weiter verhandelt werden können.
Bis dahin bleibt der Gesetzentwurf der zentrale Bezugspunkt. Offen ist in den vorliegenden Berichten nicht, ob der Bundestag die 20-Prozent-Linie unverändert übernimmt oder ob im parlamentarischen Verfahren noch Änderungen bei einzelnen Getränkekategorien oder bei der Verwendung der Einnahmen hinzukommen.
Häufige Fragen
Welche Getränke sollen teurer werden?
Teurer würden nach den Plänen Spirituosen wie Wodka, Whisky, Rum und Korn sowie Sekt, Champagner, Likörweine und Alkopops.
Werden Bier und Wein auch höher besteuert?
Nein. Die Berichte nennen ausdrücklich, dass die Biersteuer nicht erhöht werden soll. Wein bleibt weiterhin ohne besondere Steuer.
Wie viel kostet eine Flasche Wodka dann mehr?
Eine 0,7-Liter-Flasche einer 40-prozentigen Spirituose würde inklusive Mehrwertsteuer um 87 Cent teurer.
Ab wann soll die höhere Alkoholsteuer gelten?
Die Erhöhung ist für das kommende Jahr vorgesehen. Die Berichte beziehen sich auf den Bundeshaushalt 2027.
Warum will Klingbeil die Steuer erhöhen?
Der Gesetzentwurf nennt die Konsolidierung des Bundeshaushalts 2027 und der Finanzplanung bis 2030. Ein Ministeriumssprecher verwies zudem auf gesundheitspolitische Erwägungen.
Wie viel Geld bringt die Steuererhöhung dem Staat?
Die erwarteten Mehreinnahmen liegen laut den vorliegenden Berichten bei rund 400 bis 455 Millionen Euro pro Jahr.
Ressourcen
Quellen und Referenzen in diesem Artikel.
