FAZ-Frage an Selenskyj: Scharfe Kritik aus Moskau und Parteien
Eine Frage des Korrespondenten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf einer Pressekonferenz in Belgrad sorgt für internationale Entrüstung und eine anhaltende Debatte über rhetorische Grenzen im Journalismus. Michael Martens hatte den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am 8. August 2026 gefragt, was die Europäer tun könnten, um der Ukraine dabei zu helfen, mehr russische Soldaten zu töten. Während das russische Außenministerium und Ex-Präsident Dmitri Medwedjew mit Drohungen und scharfen Worten reagierten, distanzierte sich die Zeitung von der Formulierung. Auch in der deutschen Politik formiert sich Kritik an der Wortwahl des Reporters.
Was geschehen ist
Während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic am 8. August in Belgrad richtete der FAZ-Journalist Michael Martens eine direkte Frage an Wolodymyr Selenskyj. Der Wortlaut zielte darauf ab, wie europäische Staaten die ukrainische Seite dabei unterstützen können, die Anzahl getöteter russischer Soldaten zu erhöhen. Die Reaktion aus Moskau folgte prompt: Das russische Außenministerium bezeichnete den Journalisten am Sonntagabend als revanchistisch und warf ihm vor, Vorbehalte gegenüber der russischen Bevölkerung zu schüren.
Dmitri Medwedjew, der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, richtete im Gespräch mit der Nachrichtenagentur RIA Nowosti eine deutliche Warnung an den Journalisten. Wer eine solche Frage öffentlich stelle, müsse mit Konsequenzen rechnen.
Ich werde diesem Menschen nichts Böses wünschen, aber auch nichts Gutes. Eines Tages wird er seinen Teil der Verantwortung tragen müssen.
Der Hintergrund
Die Pressestelle der Frankfurter Allgemeinen Zeitung stellte nach Bekanntwerden der Vorwürfe klar, dass die Äußerung des Reporters nicht die redaktionelle Haltung des Hauses abbilde. Nach Angaben des Medienhauses bezog sich die Fragestellung auf eine laufende Debatte unter Verteidigungsexperten. Darin geht es um die Überlegung, wie die russische Armee in personelle Engpässe gebracht werden kann, um die Führung in Moskau zu Friedensverhandlungen zu bewegen.
Der Journalist selbst erklärte die historische Anspielung hinter seinen Worten auf der Plattform X. Demnach habe er sich auf ein Zitat des früheren britischen Premierministers Winston Churchill bezogen, der im Zweiten Weltkrieg die Hilfe für den jugoslawischen Widerstand militärisch zugespitzt formulierte.
Die neueste Entwicklung
Die Kontroverse hat inzwischen auch die deutsche Innenpolitik erreicht. Im Sächsischen Landtag übte die BSW-Fraktion deutliche Kritik an dem Vorfall und warnte vor einer sprachlichen Verrohung im Diskurs über den Ukraine-Krieg.

Fraktionschef Ronny Kupke stellte klar, dass der russische Angriff auf die Ukraine durch nichts zu rechtfertigen sei, die Wortwahl von Medienvertretern jedoch Grenzen wahren müsse.
Aber auch in einem Krieg darf das Töten von Menschen nicht zu einer sprachlichen Selbstverständlichkeit werden.
Die FAZ kündigte an, gegen direkte Drohungen und Herabwürdigungen gegenüber ihren Mitarbeitern mit rechtlichen Mitteln vorzugehen. Das Redaktionshaus betonte, dass das Recht zur Fragestellung auf Pressekonferenzen Kernelement der Pressefreiheit bleibt.
Was das bedeutet
Der Vorfall verdeutlicht die gewachsene Anspannung in der Berichterstattung über den bewaffneten Konflikt. Journalisten stehen vor der Herausforderung, militärische Strategien präzise zu hinterfragen, ohne durch die gewählte Sprache selbst zur Partei im Krieg zu werden. Die heftigen Reaktionen aus Moskau zeigen zudem, wie gezielt Äußerungen westlicher Medienvertreter für die eigene politische Kommunikation genutzt werden.
Was noch unklar ist
Unklar bleibt, ob die diplomatischen Spannungen zwischen Moskau und der deutschen Redaktion rechtliche oder administrative Konsequenzen für Korrespondenten vor Ort nach sich ziehen. Weder das russische Außenministerium noch die FAZ haben bisher konkrete juristische Schritte gegeneinander formell eingeleitet.
Häufige Fragen
Was hat der FAZ-Reporter auf der Pressekonferenz gefragt?
Michael Martens fragte Präsident Selenskyj in Belgrad, was die Europäer tun können, um der Ukraine dabei zu helfen, mehr russische Soldaten zu töten.
Wie hat die FAZ auf die Kritik reagiert?
Die Pressestelle der FAZ bedauerte die missverständliche Formulierung und betonte, dass das Tötungsszenario nicht der redaktionellen Linie entspricht. Gleichzeitig wies sie Drohungen gegen den Reporter zurück.
Welche Reaktion gab es aus Moskau?
Das russische Außenministerium kritisierte die Frage scharf, während Dmitri Medwedjew öffentlich andeutete, dass der Journalist dafür Verantwortung tragen müsse.
Warum bezog sich der Journalist auf Winston Churchill?
Der Reporter gab an, dass die Frage als Anspielung auf ein historisches Zitat Churchills zur Unterstützung von Widerstandsgruppen im Zweiten Weltkrieg gedacht war.
Wie bewerten deutsche Politiker den Vorfall?
Unter anderem die BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag kritisierte die Sprachwahl und forderte eine Trennung zwischen journalistischer Berichterstattung und militärischer Rhetorik.
Ressourcen
Quellen und Referenzen in diesem Artikel.
