Merz unter Druck: Reformherbst und drei Wahlen werden zum Belastungstest
Nur 14 Prozent der Befragten sind laut aktuellem ARD-DeutschlandTrend mit der Arbeit von Bundeskanzler Friedrich Merz zufrieden oder sehr zufrieden. Nach seiner ungewöhnlich stillen Sommerpause kehrt der CDU-Chef damit in eine politische Lage zurück, in der nicht nur die Opposition, sondern auch Teile der eigenen Partei an seiner Führung zweifeln. Gleichzeitig stehen Renten-, Pflege- und Gesundheitsreformen sowie drei wichtige Landtagswahlen im September bevor.
Die Lage auf einen Blick
Merz hatte sich Ende Juli mit den Worten „Schöne Ferien. Tschüss.“ aus der Öffentlichkeit verabschiedet. Während seiner Abwesenheit bestimmten Hitzetote, Niedrigwasser, Waldbrände, ein vereitelter Drohnenanschlag in Leipzig und Streit über die abschlagsfreie Frührente die politische Debatte. Die Tagesschau berichtete über das öffentliche Schweigen des Kanzlers und die zunehmende Kritik daran.
Mit einem Besuch im Waldbrandgebiet Hürtgenwald meldete sich Merz am Wochenende zurück. Nun richtet sich der Blick auf die Kabinettsklausur der schwarz-roten Regierung. Laut WirtschaftsWoche stehen dort industrielle Wettbewerbsfähigkeit, Hochtechnologie, künstliche Intelligenz und Rüstung auf der Tagesordnung. Für Merz geht es aber um mehr als einzelne Beschlüsse: Er muss zeigen, dass seine Regierung Reformen durchsetzen und politische Konflikte innerhalb von Union und SPD kontrollieren kann.
Wie sich die Lage zugespitzt hat
Schon vor der Sommerpause hatte eine Personalrochade für Unruhe gesorgt. Danach verschärfte das lange öffentliche Schweigen des Kanzlers den Eindruck einer Führungslücke. Inzwischen zeigen Umfragen, wie stark dieser Eindruck bei Teilen der Bevölkerung angekommen ist. In einer YouGov-Erhebung vom 14. bis 17. August mit 2091 Wahlberechtigten erwarteten 36 Prozent, dass Merz zwar 2026 Kanzler bleibt, aber vor der Bundestagswahl 2029 abgelöst wird. Weitere 18 Prozent rechneten sogar mit einem Wechsel noch im laufenden Jahr.

Auch innerhalb der CDU reicht die Kritik inzwischen bis zu langjährigen Unterstützern. Der frühere baden-württembergische Fraktionsvorsitzende Wolfgang Reinhart sagte der FAZ, er sei von Merz „gnadenlos enttäuscht“. Andere Parteifreunde halten dagegen. Christian von Stetten erklärte, nicht der Kanzler, sondern der Koalitionspartner SPD sei das Problem. Diese gegensätzlichen Stimmen zeigen, dass die Debatte längst nicht nur um einzelne Sachfragen kreist, sondern um Merz' Autorität als Regierungs- und Parteichef.
Die wichtigsten Personen und Streitpunkte
Im Zentrum steht die geplante Reform der sozialen Sicherungssysteme. Besonders die Rente sorgt für Konflikte. Teile der Jungen Union drängen auf eine konsequente Umsetzung eines ausgehandelten Kompromisses, während ostdeutsche CDU-Ministerpräsidenten Änderungen verlangen. Parallel stehen Reformen in Gesundheit und Pflege an.
Hinzu kommt der Wahlkalender: Sachsen-Anhalt wählt am 6. September, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin folgen am 20. September. Der WDR berichtet, dass die CDU in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern in Umfragen klar hinter der AfD liegt. In Sachsen-Anhalt könne es unter bestimmten Umständen sogar zu einer AfD-Alleinregierung kommen. Der WDR ordnet die Folgen auch für die CDU in Nordrhein-Westfalen ein.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst spielt dabei eine besondere Rolle. In der YouGov-Erhebung hielten ihn 25 Prozent für geeigneter für das Kanzleramt, Merz kam auf 9 Prozent; 66 Prozent entschieden sich für keinen der beiden. Wüst hatte Spekulationen über einen Kanzlerwechsel bereits Ende Mai zurückgewiesen und Merz seine Unterstützung zugesagt.
Reaktionen und Antworten
Die Opposition hatte Merz schon während der Sommerpause wegen seiner geringen öffentlichen Präsenz angegriffen. Grünen-Co-Chef Felix Banaszak kritisierte, es reiche angesichts von Hitze, Dürre und Waldbränden nicht, die Lage nur aus dem Urlaub heraus zu beobachten. Linken-Co-Chefin Ines Schwerdtner verwies ebenfalls darauf, dass Merz sich zu diesen Themen öffentlich kaum geäußert habe.
Das Kanzleramt verteidigte dagegen die Arbeitsweise des Regierungschefs. Der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille erklärte, Merz beobachte unabhängig von seinem Aufenthaltsort die Entwicklungen in Deutschland, Europa und der Welt. Mit seiner Rückkehr setzt der Kanzler nun einen anderen Schwerpunkt. Gegenüber der „Bild am Sonntag“ sagte er: „In Deutschland geht es um Wachstum und Beschäftigung. Das ist das wichtigste Thema.“
Worauf es jetzt ankommt
Die nächsten Wochen liefern mehrere konkrete Prüfsteine. Die Kabinettsklausur muss zeigen, ob Schwarz-Rot nach der Personalrochade geschlossen arbeiten kann. Danach entscheidet sich bei den drei Wahlen, wie stark der politische Druck auf Merz und die Parteiführungen von CDU und SPD wächst.
Für Bürgerinnen und Bürger sind vor allem die Reformen bei Rente, Pflege und Gesundheit relevant. Sie betreffen Beiträge, Leistungsversprechen und langfristige Finanzierung unmittelbar. Politisch dürfte entscheidend sein, ob Merz seine angekündigte Konzentration auf Wachstum und Beschäftigung mit sichtbaren Ergebnissen verbinden kann und ob die CDU ihre innerparteilichen Konflikte vor den Wahlterminen begrenzt.
Häufige Fragen
Warum steht Friedrich Merz derzeit so stark unter Druck?
Schwache persönliche Umfragewerte, Kritik an seiner Sommerpause, Streit in der CDU und mehrere bevorstehende Reformen sowie Landtagswahlen belasten seine Position gleichzeitig.
Wie schlecht sind die aktuellen Umfragewerte für Merz?
Laut ARD-DeutschlandTrend sind 14 Prozent mit seiner Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden. In einer YouGov-Erhebung hielten 25 Prozent Hendrik Wüst und 9 Prozent Merz für den geeigneteren Kanzler.
Welche Wahlen sind für die Bundesregierung besonders wichtig?
Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt gewählt. Mecklenburg-Vorpommern und Berlin folgen am 20. September. Schlechte CDU-Ergebnisse könnten den Druck auf Merz erhöhen.
Welche Reformen stehen nach der Sommerpause an?
Im Mittelpunkt stehen Vorhaben in den Bereichen Rente, Pflege und Gesundheit sowie Maßnahmen für wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung.
Droht Friedrich Merz kurzfristig ein Kanzlerwechsel?
Ein Kanzlerwechsel ist in den vorliegenden Quellen nicht angekündigt. Umfragen zeigen jedoch erhebliche Zweifel an seiner politischen Zukunft, während Hendrik Wüst entsprechende Spekulationen zurückgewiesen hat.
Ressourcen
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