Erster personalloser Baumarkt Deutschlands heute in Oettingen eröffnet: Einkaufen ganz ohne Kasse
Der Baufachmarkt BGU hat in der schwäbischen Kleinstadt Oettingen in Bayern das sogenannte „Versorgungswerk“ eröffnet – den ersten Baumarkt Deutschlands ohne Personal. Auf rund 150 Quadratmetern Verkaufsfläche können Heimwerker Produkte für spontane Reparaturen und den täglichen Bedarf erwerben. Das neuartige Konzept soll Engpässe in der Nahversorgung von Kleinstädten schließen und Leerständen in der Innenstadt entgegenwirken.

Das Wichtigste auf einen Blick
Wer bisher in Oettingen für ein spontanes Heimwerkerprojekt eine neue Dichtung oder Werkzeug benötigte, musste rund 16 Kilometer bis zum nächsten Fachmarkt fahren. Der Baufachmarkt BGU aus Ansbach und Weißenburg hat deshalb Ende Juli 2026 den Mini-Baumarkt „Versorgungswerk“ an den Start gebracht. Das Sortiment konzentriert sich auf gängige Kleinteile wie Sicherungen, Bohrer, Farben und Werkzeug. Großwaren oder Produkte, die eine intensivere Beratung erfordern, sucht man hier vergeblich.
Zusätzlich enthält der Markt einen integrierten Lebensmittelbereich, der Artikel wie Milch, Butter, Getränke und Tiefkühlkost anbietet. Bezahlt wird ausschließlich bargeldlos an Selbstbedienungskassen, während Kameras das Geschehen auf der Fläche überwachen.
So entwickelte sich das neuartige Store-Konzept

Hinter der Entscheidung der BGU-Geschäftsleitung stehen klare ökonomische Beweggründe. Wie Geschäftsführer Daniel Stiegler erläuterte, steigen die Personalkosten seit Jahren, während Umsätze in kleineren Filialen teils rückläufig sind. Zudem gestalte sich die Personalsuche an kleineren Standorten zusehends schwierig. Das Konzept zielt darauf ab, sogenannte „weiße Flecken“ auf der Landkarte der Nahversorgung wirtschaftlich tragfähig abzudecken.
Ein bürokratisches Detail bremst jedoch den ursprünglich geplanten Rund-um-die-Uhr-Betrieb im Heimwerkerbereich. Während der Lebensmittelteil sieben Tage die Woche rund um die Uhr zugänglich ist, gilt für die Baumarktartikel das bayerische Ladenschlussgesetz. Deshalb schließt dieser Bereich montags bis samstags um 20 Uhr und bleibt sonntags komplett zu. Ein automatischer Rollladen trennt die beiden Zonen punkt 20 Uhr voneinander ab.
Wichtige Details zum Zugang und dem Sortiment

Der Zugang zum Geschäft erfordert einen Personalausweis, der am Eingang durch ein Lesegerät gezogen wird, um die Tür freizugeben. Für Fälle, in denen Kunden dennoch Fragen haben, installierte Betreiber BGU ein Kommunikationssystem.
- Infoknopf
- Eine Taste an der Kasse, die während der Servicezeiten eine Sprachverbindung zur BGU-Zentrale in Ansbach herstellt.
- Saisonartikel
- Flexible Wechselware im Sortiment, wie beispielsweise Streusalz im Winter oder Poolchemie im Sommer.
Sperrige Produkte wie Fliesen, große Holzplatten oder individuelle Farbmischungen werden bewusst nicht angeboten. „In unserem Markt in Ansbach haben wir mehrere verschiedene Gartenscheren im Sortiment. Hier im Versorgungswerk haben wir eine“, verdeutlichte Produktkoordinatorin Birgit Karg die Fokussierung auf Basisprodukte.
Reaktionen aus Politik und Bürgerschaft
Die Resonanz in Oettingen fällt zum Auftakt überwiegend positiv aus. Oettingens Bürgermeister Thomas Heydecker begrüßt die Ansiedlung ausdrücklich, da die Stadt eine gewerbliche Nutzung ehemaliger Ladenflächen gegenüber einer Umwandlung in Wohnraum bevorzugt. Auch Anwohner schätzen die kürzeren Wege für alltägliche Besorgungen.
Für Reisende auf dem nahegelegenen Wohnmobilstellplatz bietet der Markt ebenfalls Spätversorgung mit Lebensmitteln. Betreiber BGU sammelt derzeit Kundenfeedback über ein Postfach vor Ort, um das Warenangebot weiter an die Wünsche der Bevölkerung anzupassen.
Was in nächster Zeit wichtig wird
Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich das automatisierte Modell finanziell trägt und von den Bürgerinnen und Bürgern dauerhaft genutzt wird. Ein zentraler Punkt bleibt die Diskussion um das Ladenschlussgesetz: Der Betreiber kritisierte die gesetzliche Einschränkung für den Baumarktbereich, da der Markt vollständig ohne Personal auskommt und theoretisch durchgehend öffnen könnte.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie erhalte ich Zutritt zum Baumarkt ohne Personal?
Der Zutritt erfolgt durch Einlesen des Personalausweises an einem Lesegerät direkt neben der Eingangstür.
Welche Zahlungsarten werden im Versorgungswerk akzeptiert?
An den Selbstbedienungskassen kann ausschließlich bargeldlos mit EC-Karte oder Kreditkarte bezahlt werden.
Hat der Baumarkt sonntags und nachts geöffnet?
Der Baumarktbereich ist aufgrund des bayerischen Ladenschlussgesetzes nur von Montag bis Samstag zwischen 6 und 20 Uhr geöffnet. Der Lebensmittelbereich steht hingegen rund um die Uhr zur Verfügung.
Gibt es im Markt eine Beratung bei Fragen zu Produkten?
Vor Ort ist kein Personal anwesend. Kunden können jedoch während der Servicezeiten über einen Infoknopf an der Kasse per Freisprechanlage Kontakt zur Zentrale in Ansbach aufnehmen.
Ressourcen
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