Warum Infantinos WM-Auftritt die Kritik nicht bremst

Gianni Infantino verteidigt vor dem WM-Start Ticketpreise, Visa-Ärger und die Rolle der FIFA. Die Kritik von Fans, Medien und Thomas Hitzlsperger bleibt.

Veröffentlicht
Auf dieser Seite

Im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt stand Gianni Infantino vor dem WM-Pokal, draußen wurden letzte Spuren rund um die Arena beseitigt, drinnen warteten die Weltmedien auf Antworten. Der FIFA-Präsident sprach lange, sehr lange, und bat gleich zu Beginn darum, auch über Fußball zu reden. Doch am Vorabend des Eröffnungsspiels zwischen Mexiko und Südafrika dominierten andere Themen: Ticketpreise, Visa-Probleme, der Iran und die politische Nähe zur US-Regierung.

Gianni Infantino bei der WM-Pressekonferenz in Mexiko-Stadt
Gianni Infantino stellte sich vor dem WM-Start den Fragen der Medien — Ntv

So lief der Auftritt ab

Infantino gab in Mexiko-Stadt erstmals seit drei Jahren wieder eine große Pressekonferenz vor freien Medien. Laut Sportschau fand sie einen Tag vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft statt; BILD berichtet von einem rund 33-minütigen Monolog zu Beginn.

Der Rahmen passte zur Spannung um das Turnier. Die WM 2026 findet in drei Gastgeberländern statt, mit 48 Teilnehmerländern, 16 Stadien und laut Infantino bereits mehr als sechs Millionen verkauften Tickets. Der FIFA-Chef nannte das Turnier das größte Ereignis in der Geschichte der Menschheit, während mehrere Medien zugleich die Kritik an Preisen und Einreisefragen herausarbeiteten.

Im Zentrum standen die Eintrittspreise. Infantino verteidigte den Startpreis von 60 US-Dollar und sprach von einem Durchschnittspreis unter 500 US-Dollar. Seine Argumentation: In den USA sei der Zweitmarkt legal, günstigere Karten würden dort teurer weiterverkauft, wenn die FIFA den Wiederverkauf nicht selbst organisiere.

Diese Erklärung löst das Fan-Problem nicht. Für viele Anhänger, auch aus Deutschland, verschiebt sich eine WM-Reise damit noch stärker in Richtung Luxusreise: Flug, Unterkunft, Wege zwischen drei Ländern und dann Eintrittspreise, die selbst vor dem ersten Spiel politisch aufgeladen sind.

Die entscheidenden Details

Der zweite große Konflikt betrifft die Einreise. Schiedsrichter Omar Artan aus Somalia wurde die Einreise in die USA verweigert. Sportschau berichtet, Infantino habe den Referee nicht gegen die von den USA erhobenen Vorwürfe in Schutz genommen, sondern auf die Grenzen der FIFA verwiesen.

Infantino spricht vor dem Start der Fußball-WM 2026
Der FIFA-Präsident verteidigte Preise und Umgang mit Visa-Problemen — sportschau.de

Hier zeigt sich der Kern des Konflikts: Die FIFA verkauft das Turnier als globales Fußballfest, kann aber nationale Grenzentscheidungen nicht aushebeln. Bei den WM-Turnieren 2018 in Russland und 2022 in Katar galten laut Sportschau Akkreditierungen und Tickets auch als Visum. Für 2026 gibt es eine solche Regelung nicht.

Auch der Iran wurde zum Prüfstein. Infantino sagte laut mehreren Berichten, er sei froh über die Teilnahme der iranischen Mannschaft und hätte sie notfalls mit dem Bus aus Teheran abgeholt. Ntv beschreibt zugleich, dass die Lage rund um das Team weiter angespannt sei und der Aufenthalt der Mannschaft in den USA nach aktuellem Stand stark begrenzt ist.

Zweitmarkt
Der Weiterverkauf von Eintrittskarten nach dem Erstkauf. In den USA ist dieser Markt legal, was die FIFA als Begründung für ihr eigenes Verkaufssystem nennt.
Akkreditierung
Offizielle Zulassung für Personen, die bei einem Turnier arbeiten, etwa Medien, Offizielle oder Schiedsrichter.
Visa-Probleme
Einreisehürden für Personen, die an der WM beteiligt sind oder sie besuchen wollen.

Reaktionen und Antworten

Infantino versuchte, die Kritik auf zwei Ebenen abzufangen: mit Verweis auf staatliche Zuständigkeiten und mit dem Versprechen, Einnahmen wieder in den Fußball zu investieren. Gegenüber den Medien sagte er:

Wir sind nicht die Könige der Welt, die Regierungen überstimmen können.

— Gianni Infantino, FIFA-Präsident

Zu den Preisen erklärte er laut BILD:

Unsere Ticket-Preise sind angemessen. Sie wurden von vielen Experten analysiert und entschieden.

— Gianni Infantino, FIFA-Präsident

Der Widerspruch bleibt: Wenn ein Weltverband die inklusivste WM verspricht, aber Fans und Beteiligte an Preisen oder Grenzen scheitern können, wird aus Organisation schnell Politik. Genau hier setzt auch die Kritik von Thomas Hitzlsperger an. Der frühere Nationalspieler sagte dem Tagesspiegel, im Fußball würden Dinge von Menschen verhandelt, die zu wenig darüber wüssten; im selben Gespräch ging es um fehlende Konsequenzen im Weltfußball und den Ticket-Wahnsinn für Fans.

Der größere Zusammenhang

Diese Pressekonferenz war mehr als ein Pflichttermin vor dem Eröffnungsspiel. Sie zeigte, wie stark sich die WM von einem Sportereignis zu einem politischen Großprojekt verschoben hat. Infantino verwies auf seine gute Beziehung zu Donald Trump und sagte laut BILD, ohne ihn wäre es unmöglich gewesen, eine WM in den USA zu organisieren.

Infantino bei seiner Pressekonferenz in Mexiko-Stadt
Rund um das Aztekenstadion blieb die Kritik am Turnier sichtbar — FAZ

Für die FIFA ist Geld dabei nicht nur Einnahme, sondern Einfluss. Sportschau beschreibt die Zahlungen an die 211 Nationalverbände als Machtinstrument: Kleine Verbände hängen stark von FIFA-Mitteln ab, haben aber dasselbe Stimmrecht wie große Fußballnationen. Das erklärt, warum Ticketpreise, Entwicklungsprogramme und Verbandsmacht zusammengehören.

Die FAZ schildert die Lage in Mexiko besonders deutlich: Kritische Plakate wurden rund um das Aztekenstadion entfernt, viele Menschen im Gastgeberland fühlen sich wegen der hohen Preise als Zaungäste. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum kündigte an, ihre Eintrittskarte für das Eröffnungsspiel an die indigene Athletin Yolett Cervantes Cuaquehua weiterzugeben.

Für Fans in Deutschland bedeutet das: Wer zur WM reisen will, muss nicht nur sportlich planen, sondern auch finanziell und organisatorisch genauer rechnen als bei früheren Turnieren. Die Debatte trifft also nicht nur die Gastgeberländer, sondern jeden, der Fußball als zugängliches Erlebnis versteht.

Was als Nächstes kommt

Bestätigt ist: Das Eröffnungsspiel Mexiko gegen Südafrika ist für Donnerstag um 21 Uhr MESZ angesetzt. Ebenfalls bestätigt ist eine Änderung bei der Hymnen-Zeremonie: Erstmals sollen auch die Ersatzspieler auf dem Platz stehen, zudem bilden die Spieler einen Kreis um ein Banner im Mittelkreis.

Offen bleibt nicht, dass es Kritik gibt; offen ist, welche konkreten Lösungen die FIFA für einzelne Einreiseprobleme tatsächlich erreicht. Infantino sagte, die FIFA arbeite daran. Bei Omar Artan und anderen betroffenen Personen entscheidet am Ende aber nicht der Weltverband, sondern die jeweilige Regierung.

Fragen und Antworten

Warum steht Gianni Infantino vor der WM 2026 in der Kritik?

Die Kritik dreht sich um hohe Ticketpreise, Visa-Probleme, die verweigerte Einreise des somalischen Schiedsrichters Omar Artan und Infantinos Nähe zu Donald Trump.

Wie teuer sind Tickets für die WM 2026 laut FIFA?

Infantino nannte einen Startpreis von 60 US-Dollar und einen Durchschnittspreis von unter 500 US-Dollar. Insgesamt seien mehr als sechs Millionen Tickets verkauft worden.

Was sagte Infantino zu den Visa-Problemen?

Er sagte, die FIFA könne Regierungen nicht überstimmen. Bei der WM 2026 gelten Tickets und Akkreditierungen nicht automatisch als Visum.

Welche Rolle spielt Thomas Hitzlsperger in der Debatte?

Hitzlsperger kritisierte im Tagesspiegel fehlende Konsequenzen im Weltfußball und sprach über den Ticket-Wahnsinn für Fans. Seine Sicht passt zur größeren Debatte über Macht, Geld und Zugang im Fußball.

Wann beginnt die WM 2026?

Das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika ist für Donnerstag um 21 Uhr MESZ angesetzt.

Quellen

  1. taz.de10. Juni 2026Aus dem Tagebuch des FIFA
  2. Tagesspiegel10. Juni 2026Ex
  3. BILD10. Juni 2026WM 2026: LIVE-Ticker – WM-PK mit Fifa