Die Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika zieht Fans weltweit in ihren Bann, doch vor den Toren New Yorks braut sich im MetLife Stadium von East Rutherford ein handfester Skandal zusammen. Ausgerechnet das Stadion, in dem am 19. Juli das große Endspiel ausgetragen wird, sorgt bei den internationalen Top-Stars für Entsetzen. Für die deutsche Nationalmannschaft ist das Thema von höchster Brisanz, da das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann am Donnerstag um 22 Uhr MESZ hier gegen Ecuador antritt.
Harte Betonplatten und kurze Halme
Das Problem in der gigantischen Arena liegt tief im Boden vergraben. Unter dem frisch verlegten Grün befindet sich eine massive Betonplatte, die gravierende Auswirkungen auf das Spielgeschehen hat. Durch diese Konstruktion müssen die Grasfasern extrem kurz gehalten werden, was den Boden unbarmherzig hart macht. Hinzu kommt eine enorme Hitze vor Ort, die das Spielfeld in kürzester Zeit austrocknen lässt.
Diese Bedingungen führen dazu, dass sich der Ball vollkommen unberechenbar verhält. Nach der Bewässerung verändert sich die Beschaffenheit des Grüns im Minutentakt, was den Spielfluss massiv ausbremst. Ein kontrollierter Spielaufbau und schnelle Rhythmuswechsel werden für die Akteure auf dem Platz zu einer extremen Herausforderung, die an die Substanz geht.
Internationale Stars wettern gegen den Untergrund
Die Kritik der Spieler, die bereits in East Rutherford auflaufen mussten, fällt vernichtend aus. Nach dem 3:1-Sieg Frankreichs gegen den Senegal machten die Profis ihrem Ärger Luft. Der französische Mittelfeldakteur Adrien Rabiot fand deutliche Worte für den Zustand des Spielfelds. Der Untergrund gleiche kaum einem normalen Fußballplatz, sondern wirke künstlich und steif.
Zuvor hatte bereits Brasiliens Offensivstar Vinícius Júnior nach dem enttäuschenden 1:1 des Rekordweltmeisters gegen Marokko heftige Bedenken geäußert. Durch die schnelle Austrocknung werde das Spiel extrem langsam, was es fast unmöglich mache, ein gewohntes Spieltempo aufzubauen. Ähnliche Probleme zeigten sich übrigens auch an anderen Spielorten: Die Norweger schimpften nach ihrem Auftaktspiel im Boston-Stadion ebenfalls über einen stocktrockenen Rasen, der trotz Bewässerung nach wenigen Minuten komplett trocken war.

Der Weltverband wiegelt ab
Die FIFA versucht unterdessen, die Wogen zu glätten und die erhobenen Vorwürfe zu entkräften. In einer offiziellen Stellungnahme erklärte der Weltverband, dass sich alle 16 WM-Spielfelder in einem hervorragenden Zustand befänden. Man habe mehr als fünf Jahre lang intensiv geforscht, getestet und mit führenden Experten sowie den Stadionbetreibern zusammengearbeitet, um sowohl die Bespielbarkeit als auch die Sicherheit der Spieler zu garantieren.
Die fleckige Optik des Rasens, die in der Fernsehübertragung deutlich zu sehen war, spiele für die Qualität keine Rolle, so die FIFA. Es gäbe für jeden Spielort maßgeschneiderte Bewässerungspläne und alle Flächen würden während des Turniers kontinuierlich überwacht.
Norwegen wittert eine große Chance
Während Frankreich und Brasilien klagen, sieht die norwegische Nationalmannschaft um Starstürmer Erling Haaland eine sportliche Chance in den widrigen Bedingungen. Vor ihrem zweiten Gruppenspiel gegen den Senegal gaben sich die Skandinavier kämpferisch und wollen den harten Boden zu ihrem Vorteil nutzen.
Mittelfeldspieler Morten Thorsby betonte, dass der Belag ein bisschen an einen Kunstrasen erinnere. Da viele Spieler im norwegischen Kader umfassende Erfahrungen auf Kunstrasenplätzen besitzen, könnte sich dies im engen Kampf um das Achtelfinale als echter Wettbewerbsvorteil erweisen. Trainer Ståle Solbakken forderte von seinem Team, die Gegebenheiten einfach anzunehmen und keine Ausreden zu suchen. Bei den angekündigten Regenfällen könnte das Spiel auf dem harten Untergrund ohnehin extrem schnell werden.
Die Bedingungen für das DFB-Team
Auf die deutsche Nationalmannschaft wartet am Donnerstag die nächste Bewährungsprobe. Nachdem der Gruppensieg bereits nach zwei Erfolgen vorzeitig feststeht, muss Bundestrainer Julian Nagelsmann das Spiel gegen Ecuador auch nutzen, um seine Defensive umzubauen. Innenverteidiger Nico Schlotterbeck hat sich beim 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste eine Innenbandverletzung im Sprunggelenk zugezogen.
Für das DFB-Team werden am Donnerstag in New Jersey Sonnenschein und tropische Temperaturen um die 30 Grad Celsius vorhergesagt. Der ohnehin kritisierte Rasen dürfte unter der Hitze also noch schneller austrocknen. Geleitet wird die Partie von der US-amerikanischen Schiedsrichterin Tori Penso und ihren Assistentinnen Brooke Mayo und Kathryn Nesbitt.
Häufig gestellte Fragen
- Warum steht der Rasen im MetLife Stadium so in der Kritik?
- Der Rasen liegt auf einer harten Betonplatte, wodurch die Grasfasern sehr kurz sind. Zusammen mit der großen Hitze trocknet der Boden extrem schnell aus, was den Ball unberechenbar springen lässt und das Spiel verlangsamt.
- Wie reagiert die FIFA auf die Vorwürfe der Spieler?
- Der Weltverband beschwichtigt und betont, dass sich alle Spielfelder in einem hervorragenden Zustand befinden. Es sei fünf Jahre lang geforscht worden und es gebe spezielle Bewässerungspläne für jeden Spielort.
- Wann spielt Deutschland in diesem Stadion?
- Das DFB-Team bestreitet sein letztes Gruppenspiel gegen Ecuador am Donnerstag um 22:00 Uhr MESZ in East Rutherford.