Massenansturm auf die Drei Zinnen: Stundenlange Warteschlangen in den Dolomiten lösen Debatte aus
Bei strahlendem Sonnenschein drängen sich Hunderte Menschen an einer Bushaltestelle in Misurina, die Schlange reicht Hunderte Meter an der Straße entlang. Was wie der Einlass zu einem Popkonzert oder einem Freizeitpark aussieht, ist der Versuch, einen Ausflug in die alpine Natur zu starten. Videos dieser Szenen verbreiten sich derzeit rasant in den sozialen Netzwerken und heizen die Diskussion über Overtourismus in Südtirol und Venetien neu an.
Was genau an den Drei Zinnen passiert
Am Ausgangspunkt in Misurina stauen sich die Urlauber, um mit Shuttlebussen zur Auronzo-Hütte zu gelangen. Die Hütte dient als zentraler Startpunkt für die berühmte Rundwanderung um die Drei Zinnen. An manchen Tagen warten bis zu 300 Wanderer gleichzeitig stundenlang in der Prallsonne auf die Rückfahrt oder den Aufstieg, da der Busverkehr dem enormen Andrang phasenweise nicht mehr gewachsen ist.
Der Hintergrund der Touristenmassen
Die Drei Zinnen gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe und zählen zu den bekanntesten Fotomotiven der Alpen. Durch Plattformen wie Instagram und TikTok hat der Zulauf in den vergangenen Jahren extrem zugenommen. Vor allem Tagesgäste reisen spontan an, um ein Foto vor der Kulisse zu machen.
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Um den Autoverkehr einzudämmen, gilt für die Zufahrtsstraße zur Auronzo-Hütte eine Obergrenze: Täglich dürfen maximal 800 Fahrzeuge nach vorheriger Online-Reservierung und gegen eine Gebühr von 40 Euro weiterfahren. Wer keinen Parkplatz ergattert, muss auf die Shuttlebusse ausweichen – was den Druck auf die Busverbindungen drastisch erhöht.
Die jüngsten Entwicklungen und Reaktionen
Nach Berichten über stundenlange Verzögerungen meldeten sich lokale Behörden und Alpenvereine zu Wort. Der Tourismusbeauftragte von Auronzo di Cadore, Roberto Pais, ordnete die Aufnahmen ein und erklärte, dass die extremen Schlangen nach mehreren Regentagen entstanden seien, als Tausende Urlauber gleichzeitig bei gutem Wetter aufbrachen. In der Hochsaison bewegen sich laut Pais täglich 3.500 bis 4.000 Menschen im Gebiet, während Studien an Spitzen-Tagen sogar bis zu 13.000 Besucher registrierten.
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Parallel dazu wächst der Unmut über die Begleiterscheinungen des Massentourismus. Der Alpenverein CAI Belluno berichtet von Zweckentfremdung unbewirtschafteter Notunterkünfte für Partys, Müllproblemen und blockierten Betten auf Fernwanderwegen durch Reiseveranstalter.
Es ist keine übertriebene Erzählung, sondern eine weit verbreitete, ziemlich ärgerliche Gleichgültigkeit.
Der Alpenverein erwägt daher bereits, weniger wichtige Notunterkünfte abzubauen, um Kosten und Vandalismus zu begrenzen.
Was der Ansturm für Urlauber bedeutet
Reisende aus Deutschland und Österreich, für die die Dolomiten ein nahegelegenes Ziel darstellen, müssen bei spontanen Ausflügen mit erheblichen Wartezeiten rechnen. Lokale Verantwortliche raten dazu, auf weniger frequentierte Nachbarregionen wie die Cadini-Gruppe, die Marmarole oder den Monte Piana auszuweichen. Zudem wird gefordert, Bustickets vorab zu kaufen und feste Zeitfenster einzuhalten.
Was weiterhin unklar bleibt
Offen ist derzeit, ob die bestehende Kontingentierung von 800 Fahrzeugen pro Tag verschärft wird. Der Bürgermeister von Toblach, Martin Rienzner, fordert eine provinzübergreifende Begrenzung auf maximal 2.000 bis 3.000 Besucher täglich nach dem Vorbild US-amerikanischer Nationalparks. Eine finale Entscheidung über striktere Zugangsbeschränkungen für das gesamte Gebiet steht jedoch noch aus.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viel kostet die Auffahrt zur Auronzo-Hütte mit dem Auto?
Die Mautgebühr für die Straße zur Auronzo-Hütte beträgt 40 Euro pro Fahrzeug. Eine vorherige Online-Reservierung ist zwingend erforderlich, da die Kapazität auf 800 Fahrzeuge pro Tag begrenzt ist.
Warum kommt es an den Shuttlebussen zu langen Wartezeiten?
Da die Autozufahrt limitiert ist, weichen Tausende Tagesgäste auf die Shuttlebusse ab Misurina aus. An Tagen nach schlechtem Wetter strömen besonders viele Besucher gleichzeitig zu den Bussen.
Wie viele Menschen besuchen die Drei Zinnen täglich?
In der Hochsaison liegen die Besucherzahlen laut der Gemeinde Auronzo di Cadore üblicherweise zwischen 3.500 und 4.000 Menschen pro Tag, an einzelnen Spitzentagen wurden jedoch auch schon bis zu 13.000 Besucher gezählt.
Gibt es Alternativen zur Wanderung an den Drei Zinnen?
Die lokalen Tourismusverbände empfehlen Ausweichziele in der unmittelbaren Umgebung, darunter die Cadini-Gruppe, die Marmarole-Kette oder der Monte Piana, wo deutlich weniger Andrang herrscht.
Werden weitere Beschränkungen für Touristen geplant?
Einige Gemeinden fordern ein striktes Online-Reservierungssystem für das gesamte Gebiet mit einer Tagesobergrenze von 2.000 bis 3.000 Besuchern. Diese Maßnahme wird aktuell noch diskutiert.
Ressourcen
Quellen und Referenzen in diesem Artikel.

