Greller Sonnenschein spiegelt sich auf den Schienen, während Hunderte Pendler am Montagmorgen ratlos an den Bahnsteigen stehen und auf die Anzeigetafeln starren. Statt der erhofften Verbindung zum Wochenstart dominieren dort rote Warnmeldungen über Ausfälle und erhebliche Verzögerungen im Nordwesten von Hannover. Nach einem extrem heißen Sommerwochenende haben sich die stählernen Schienenstränge auf offener Strecke verformt und machen eine Weiterfahrt unmöglich.

Wie sich die Lage auf den Schienen zuspitzt
Der Berufsverkehr zwischen Bremen und der niedersächsischen Landeshauptstadt ist am Montagmorgen teilweise zum Erliegen gekommen. Betroffen ist der Streckenabschnitt zwischen Nienburg (Weser) und Neustadt am Rübenberge. Schienenfahrzeuge können diesen Bereich aktuell nicht wie gewohnt passieren, weshalb die Deutsche Bahn umfassende betriebliche Änderungen vornehmen musste.
Besonders hart trifft es die Pendler der Regionallinien. Die Züge der Linie RE8, die planmäßig von Bremerhaven-Lehe nach Hannover Hauptbahnhof fahren, müssen vorzeitig stoppen. Sie beginnen und enden bereits in Nienburg. Wer weiter nach Hannover möchte, muss dort improvisieren. Die Züge des RE1 verkehren zwar auf der Route zwischen Norddeich (Mole) und Hannover, allerdings schleppen sie laut NDR Niedersachsen eine massive Verspätung von bis zu 45 Minuten mit sich herum. Noch schlimmer sieht es für Fahrgäste der S-Bahn-Linie 2 aus: Diese Verbindung fällt derzeit komplett aus.
Warum die Gleise schlappmachen
Hinter der Störung steckt ein physikalisches Phänomen, das bei extremer Witterung auftritt. Eine Bahnsprecherin erklärte gegenüber dem NDR, dass ein sogenannter Gleislagefehler vorliege. Das bedeutet im Klartext: Die Schienen haben sich verbogen. Als Hauptursache gilt die extreme Hitze der vergangenen Tage, die den Stahl an seine Belastungsgrenzen brachte. Wenn sich das Metall bei hohen Temperaturen ausdehnt und nicht genügend Spielraum hat, verformen sich die Gleise wellenartig.

Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage von "buten un binnen" mitteilte, erstrecken sich die Beeinträchtigungen nicht nur auf den Regionalverkehr. Auch Fahrgäste im Fernverkehr müssen demnach mit Verzögerungen und operativen Einschränkungen rechnen. Um den Ausfall abzufedern, hat das Verkehrsunternehmen einen Notverkehr mit Ersatzbussen zwischen Nienburg und Hannover Hauptbahnhof eingerichtet.
Kulanzregeln für genervte Fahrgäste
Die aktuelle Störung reiht sich ein in eine Serie von Problemen im Schienennetz. Erst vor wenigen Tagen hatte eine bundesweite Störung des Zugfunks für ein flächendeckendes Chaos gesorgt. Dass das Schienennetz extrem anfällig für Wetterextreme ist, zeigt sich an diesem Montag erneut besonders deutlich. Die Bahn hatte aufgrund der extremen Temperaturen am Wochenende bereits vorab reagiert.
Wer seine Reise wegen der Hitze verschieben möchte, profitiert von einer Sonderregelung. Die Deutsche Bahn hat eine Hitze-Sonderkulanz eingerichtet. Fahrgäste können nicht notwendige Fahrten bis einschließlich 30. Juni kostenfrei stornieren. Dies gilt als Erleichterung für all jene, die den überhitzten Waggons und unvorhersehbaren Streckensperrungen entgehen wollen.
Was Reisende jetzt wissen müssen
Gegenwärtig wird an der Schadensstelle unter Hochdruck gearbeitet. Während die dpa berichtet, dass die Reparaturen im Nordwesten von Hannover bereits bis zum Mittag abgeschlossen sein sollen, äußert sich die Bahn gegenüber regionalen Medien vorsichtiger. Demnach bleibt der genaue Zeitpunkt, zu dem der normale Fahrplan wieder in Kraft tritt, noch unklar. Zumindest meteorologisch entspannt sich die Lage: Zum Wochenbeginn ist in der Region Bremen wieder mit spürbar niedrigeren Temperaturen zu rechnen, was die thermische Belastung des Schienenmaterials reduziert.
Häufige Fragen zum Vorfall (FAQ)
Welche Bahnlinien sind aktuell von den Gleisschäden betroffen?
Betroffen sind primär die Linien RE1 und RE8 sowie die S-Bahn-Linie 2 im Raum Hannover. Auch im Fernverkehr kann es zu Abweichungen kommen.
Wie viel zusätzliche Reisezeit müssen Fahrgäste einplanen?
Reisende auf den betroffenen Streckenabschnitten müssen mit einer Reisezeitverlängerung von etwa 45 Minuten rechnen.
Gibt es einen Schienenersatzverkehr?
Ja, zwischen Nienburg und Hannover Hauptbahnhof wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen für die Fahrgäste eingerichtet.
Bis wann gelten die Hitze-Kulanzregeln der Bahn?
Die kostenfreie Stornierung im Rahmen der Hitze-Sonderkulanz ist für Reisen bis einschließlich Dienstag, den 30. Juni, möglich.
Ressourcen
Quellen und Referenzen in diesem Artikel.
