Kaunertal nach Muren abgeschnitten: 251 Menschen aus Tiroler Tal ausgeflogen
Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2026, 14:43 Uhr
251 Menschen sind nach den Murenabgängen im Tiroler Kaunertal per Hubschrauber ausgeflogen worden. Was als Tagesausflug in die Berge begann, endete für viele Gäste mit einer Nacht in Hütten und Restaurants, weil Geröll, Schlamm und weggespülte Straßenstücke den Rückweg versperrten. Verletzt wurde nach Angaben der Behörden niemand, doch die Gletscherstraße und Teile der Stromversorgung blieben zunächst unterbrochen.

Das Wichtigste auf einen Blick
- Nach starkem Regen und massivem Hagelschlag gingen am Sonntag drei Muren auf die Kaunertaler Gletscherstraße ab.
- Der hintere Bereich des Tales nahe der italienischen Grenze war dadurch von der Außenwelt abgeschnitten.
- Österreichische Einsatzkräfte flogen nach Angaben eines Militärsprechers insgesamt 251 Personen aus.
- Viele Betroffene waren Tagesausflugsgäste, darunter nach Angaben des Spiegel viele deutsche Staatsbürger.
- GeoSphere Austria warnte für Tirol vor weiteren Gewittern, kleinen Muren, lokalen Überschwemmungen sowie Behinderungen auf Straßen und Schienen.
Was genau passiert ist
Das Unwetter traf das Kaunertal am Sonntagnachmittag nach Tagen großer Hitze. Im Bereich von Röstizkogel und Watzespitze entlud sich laut Berichten ein heftiges Gewitter mit massivem Hagelschlag. Danach schwollen der Röstizbach und der Watzebach stark an, drei Muren lösten sich und rissen Schlamm, Geröll und Felsbrocken mit sich.
Die Kaunertaler Gletscherstraße wurde an mehreren Stellen verschüttet und beschädigt. Nach Angaben des BR wurden an einer Stelle 50 Meter Straße weggerissen; ORF Tirol berichtete zudem, dass auch die dort verlegte Stromversorgung für das hintere Kaunertal betroffen war. Die Verbindung war ab der Mautstelle beziehungsweise südlich der Mautstelle bei Feichten nicht mehr befahrbar.

Rund 200 Menschen, die für Tagesausflüge in das Gebiet gekommen waren, konnten das Tal nicht mehr verlassen. Sie wurden unter anderem im Gepatschhaus und im Gletscherrestaurant untergebracht und versorgt. Ältere Menschen, vulnerable Personen und rund zehn Personen aus medizinischen Gründen wurden bereits am Sonntag mit dem Polizeihubschrauber „Libelle“ ausgeflogen.
Am Montag liefen die Evakuierungsflüge weiter. Laut Bericht des Spiegel waren drei Helikopter des Innenministeriums und zwei Militärmaschinen im Einsatz; gegen Mittag war die Evakuierung abgeschlossen. Die Zeit meldete unter Berufung auf das Verteidigungsministerium, dass Bundesheer-Hubschrauber die eingeschlossenen Tagesgäste in Sicherheit brachten.
Warum das für Reisende zählt
Für Urlauberinnen und Urlauber aus Deutschland ist der Fall mehr als eine regionale Unwettermeldung. Das Kaunertal liegt in Tirol nahe der italienischen Grenze und gehört zu jenen Alpenregionen, die viele Menschen aus Süddeutschland für Tages- oder Kurztrips ansteuern. Wenn eine einzige Zufahrtsstraße durch Muren blockiert wird, kann aus einem planbaren Ausflug sehr schnell eine Lage werden, in der Einsatzkräfte Versorgung, Unterkunft und Abtransport organisieren müssen.
Die Ereignisse zeigen auch, warum alpine Straßen bei Starkregen anders bewertet werden müssen als normale Überlandstrecken. Die Kaunertaler Gletscherstraße führt laut BR von Feichten bis zum Gletschergebiet am Weißseeferner auf etwa 2.750 Metern; steile Hänge und Wildbäche machen solche Abschnitte bei Gewittern anfällig für Steinschläge, Muren und Hochwasser. Wer in den Alpen unterwegs ist, sollte deshalb lokale Sperren und Warnungen ernst nehmen, auch wenn am Startpunkt der Reise das Wetter noch stabil wirkt.

GeoSphere Austria warnte nach den Muren vor weiteren Gewittern in Tirol. Laut Meldung der Zeit können ab Montagnachmittag und am Dienstag kleine Muren, lokale Überschwemmungen sowie Behinderungen auf Straßen und Schienen auftreten. Die Unwetter folgten auf große Hitze in den Tagen davor; Forschende gehen laut Zeit davon aus, dass der Klimawandel viele Extremwetterereignisse deutlich wahrscheinlicher macht.
Wie es jetzt weitergeht
Nach der Evakuierung begannen Erkundungsflüge und Begutachtungen durch die Landesgeologie. Erst danach konnte mit der Räumung der verschütteten Straße begonnen werden. Ob die Verbindung rasch wieder vollständig instand gesetzt werden kann, war laut ORF Tirol zunächst nicht abschätzbar und hing auch vom weiteren Wetter ab.
Die Stromleitung ins hintere Kaunertal blieb vorerst unterbrochen. Für das Gepatschhaus, wo laut Bürgermeister Christian Kalsberger das größte Problem bestand, wurde inzwischen eine Stromversorgung installiert; der Betrieb der Alpenvereinshütte sei damit bis auf Weiteres gesichert.
Häufige Fragen
Was ist im Kaunertal in Tirol passiert?
Nach starkem Regen und Hagelschlag gingen am Sonntag drei Muren auf die Kaunertaler Gletscherstraße ab. Geröll und Schlamm blockierten die Straße, Teile der Fahrbahn wurden beschädigt oder weggespült.
Wie viele Menschen wurden aus dem Kaunertal ausgeflogen?
Nach Angaben eines Militärsprechers wurden insgesamt 251 Personen ausgeflogen. Andere Meldungen nannten zunächst rund 200 eingeschlossene Tagesgäste, bevor die vollständige Zahl der Evakuierten bestätigt wurde.
Gab es Verletzte durch die Muren im Kaunertal?
Nach den vorliegenden Behördenangaben wurde durch die Muren niemand verletzt. Rund zehn Personen wurden bereits am Sonntag aus medizinischen Gründen ausgeflogen.
Warum war die Kaunertaler Gletscherstraße gesperrt?
Die Straße wurde nach den Muren von Schlamm, Geröll und Felsbrocken blockiert. Zusätzlich wurden Teile der Fahrbahn weggespült, sodass der hintere Teil des Tales nicht mehr über die Straße erreichbar war.
Sind weitere Unwetter in Tirol möglich?
GeoSphere Austria warnte vor weiteren Gewittern in Tirol. Dabei können kleine Muren, lokale Überschwemmungen und Behinderungen auf Straßen und Schienen auftreten.
Was bedeutet das für Reisende aus Deutschland?
Wer in Tirol oder über alpine Routen unterwegs ist, sollte aktuelle Straßensperren und Wetterwarnungen prüfen. Besonders nach Hitzeperioden und Starkregen können Muren Hochalpenstraßen sehr schnell unpassierbar machen.
Ressourcen
Quellen und Referenzen in diesem Artikel.
