Eine individuell hergestellte mRNA-Impfung kann das Risiko für einen Rückfall bei schwarzem Hautkrebs nach einer Operation drastisch senken. Die Daten einer großen Phase-3-Studie zeigen, dass durch die Kombination der Vakzine mit einer bewährten Immuntherapie das Wiederauftreten des Tumors in den ersten zwei Jahren um fast die Hälfte reduziert wird.

Was von den Behörden genehmigt wurde
Die von den Pharmaunternehmen Moderna und MSD entwickelte personalisierte mRNA-Vakzine mit der Bezeichnung Intismeran steht vor dem möglichen Weg zur Zulassung. Nach Angaben der Hersteller belegen die Zwischenergebnisse der klinischen Studie INTerpath-001 einen signifikanten medizinischen Fortschritt bei der Behandlung des malignen Melanoms. Im Falle einer offiziellen Genehmigung durch die US-amerikanischen oder europäischen Behörden handelte es sich um die weltweit erste zugelassene Krebstherapie auf Basis individualisierter mRNA.
Für welche Patienten die Therapie bestimmt ist
Die Behandlung richtet sich exklusiv an erwachsene Patienten, bei denen ein schwarzer Hautkrebs im fortgeschrittenen Stadium erfolgreich operativ entfernt wurde, bei denen jedoch ein hohes Risiko für einen medizinischen Rückschlag besteht. In Deutschland zählt der schwarze Hautkrebs zu den verbreiteten Tumorarten mit mehr als 20.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Experten der Berliner Charité betonen jedoch, dass die neuartige Therapie im Falle einer Markteinführung zunächst nur für wenige Tausend Betroffene mit entsprechenden Risikoprofilen infrage kommen wird.

Wie die Vakzine wirkt und was die Studiendaten belegen
An der doppelblinden Untersuchung nahmen insgesamt 1.137 Patienten teil. Alle Betroffenen erhielten die Standardtherapie mit dem Checkpoint-Hemmer Pembrolizumab, der das Immunsystem zum Angriff auf Krebszellen aktiviert. Knapp zwei Drittel der Teilnehmer erhielten zusätzlich bis zu neun intramuskuläre Injektionen des individuell angepassten mRNA-Impfstoffs Intismeran, während die Kontrollgruppe ein Placebo erhielt. Das genetische Material des jeweiligen Tumors wurde analysiert, um bis zu 34 charakteristische Neoantigene in den Impfstoff einzubauen.
Nach einem Beobachtungszeitraum von im Median zwei Jahren lebten 82,2 Prozent der Patienten mit der zusätzlichen mRNA-Therapie ohne Rückfall, verglichen mit 70 Prozent in der Kontrollgruppe. Dies entspricht einer relativen Senkung des Rückfallrisikos um 42 Prozent. Gleichzeitig sank das Risiko für die Entstehung von Fernmetastasen um 38 Prozent, wobei in der Impfgruppe 88,5 Prozent ohne Tochtergeschwülste blieben gegenüber 80,2 Prozent in der Vergleichsgruppe.

Risiken und auftretende Nebenwirkungen
Die Behandlung ist mit spürbaren Begleiterscheinungen verbunden. Rund 95,8 Prozent der geimpften Studienteilnehmer berichteten über Beschwerden, die auf die Therapie zurückgeführt wurden, verglichen mit 90 Prozent in der Kontrollgruppe. Zu den häufigsten Reaktionen zählten Fieber bei 52,2 Prozent, Schmerzen an der Einstichstelle bei 51 Prozent sowie Erschöpfung und Müdigkeit bei 38,5 Prozent der Patienten. Hinsichtlich schwerwiegender medizinischer Nebenwirkungen gab es zwischen den beiden Studiengruppen jedoch keinen signifikanten Unterschied; sie traten bei 14,2 Prozent der Patienten mit zusätzlicher Impfung und bei 13,4 Prozent in der Kontrollgruppe auf.
Verfügbarkeit und offene Fragen
Wann die Therapie in Deutschland oder der Europäischen Union regulär erhältlich sein wird, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Pharmaunternehmen planen zunächst die Einreichung der Zulassungsunterlagen in den USA. Fachleute aus der Onkologie dämpfen zudem überschießende Erwartungen, da für eine definitive Beurteilung des Gesamtüberlebens ein Beobachtungszeitraum von fünf Jahren erforderlich ist. Bisher lässt sich wissenschaftlich noch nicht abschließend beurteilen, ob die Impfung das Leben der Patienten langfristig verlängert oder das Wiederauftreten des Tumors lediglich zeitlich hinauszögert.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der genaue Unterschied zwischen einer normalen Impfung und Intismeran?
Klassische Vakzinen dienen der Vorbeugung von Infektionskrankheiten durch universelle Erregerstrukturen. Intismeran wird hingegen individuell anhand der spezifischen Mutationen eines bereits operierten Tumors hergestellt, um das Immunsystem gezielt auf verbliebene Krebszellen zu trainieren.
Welche Rolle spielt das begleitende Medikament Pembrolizumab?
Pembrolizumab ist ein sogenannter Checkpoint-Hemmer, der Blockaden des Immunsystems aufhebt. In Kombination mit der mRNA-Impfung soll er dafür sorgen, dass aktivierte T-Zellen die verbliebenen Tumorzellen besser erkennen und attackieren.
Wann ist mit einer Zulassung in der EU zu rechnen?
Ein konkreter Zeitplan für Europa liegt noch nicht vor. Die Hersteller streben zunächst eine Einreichung bei den US-amerikanischen Zulassungsbehörden an.
Wie wird der individuelle Impfstoff produziert?
Nach der chirurgischen Entfernung des Tumors wird das Gewebe analysiert. Anhand des genetischen Profils und gefundener Neoantigene wird eine maßgeschneiderte mRNA-Sequenz erstellt.
Welche Patienten können von der Therapie profitieren?
Die untersuchten Daten beziehen sich ausschließlich auf erwachsene Patienten mit schwarzem Hautkrebs nach erfolgreicher Operation, bei denen ein erhöhtes Risiko für ein Rezidiv besteht.